Nun also Lektion 3 unserer kleinen Reihe. Langsam aber sicher wird der Schwierigkeitsgrad hier angezogen, was aber Ihre Erfolgsaussichten nicht schmälern sollte, da Sie auf die heutige Aufgabe durch Ihre bisher erworbenen Kompetenzen bestens vorbereitet sind. Wir werden uns heute von der strikt schematischen Herangehensweise der ersten beiden Lektionen ein wenig lösen und auf mittelschwer vorhersehbare zwischenmenschliche Konstellationen treffen. Der Zweck wird daher im Folgenden sein, in einer nicht eindeutig einschätzbaren Situation die richtige Zielpersonen ausfindig zu machen und entsprechend zu bearbeiten.
Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 3
Heute:
Spezialgrundausbildung
Einsatzgebiet:
Besuch eines urban
ausgerichteten Nachtclubs
Zu
erreichende Kompetenz: Genaue Freund-Feind-Erkennung bei unklarer
Gefechtslage
Dienstgrad
bei erfolgreichem Absch(l)uss: Phallus-Feldwebel
 |
| Hanky-Code in der Praxis |
Basics:
Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen, seien vorher nochmal kurz die
Grundlagen der kommenden nächtlichen Initiation geklärt:
1.) Wir
sind im bisherigen Verlauf unserer Laufbahn ein gutes Stück
vorangekommen, haben Ihnen aber eine Kleinigkeit verschwiegen:
Sämtliche Vertreter der Damenwelt traten uns in den vorangegangenen
Folgen lediglich als willenlose Objekte, ja quasi sexuelle
Verfügungsmasse entgegen. Das mag für die bis hier abgehandelten
Jagdreviere, Ü-30-Party und Sky-Sports-Bar, auch durchaus so zu
verifizieren sein. Dieses waren aber Kriegsschauplätze in geistig
eher dörflicher Atmosphäre, selbst wenn die abgearbeiteten Gebiete
physikalisch in städtischer Umgebung lagen. Mit dem jetzigen
Eintritt in wirklich urbane Gaststätten haben wir es nun aber auf
der zwischenmenschlichen Ebene mit modern ausgerichteten
Gedankenstrukturen zu tun, die die Handlungen der Damenwelt und
damit den genauen Ablauf der Nacht etwas anders steuern. In eben
solchen Feierbetrieben werden Sie nun auf Weibsvolk treffen, dass
weitestgehend (und jetzt schnallen Sie sich bitte an) Wert auf einen
eigenen Willen und unbedingte Selbstbestimmung in der Paarungswahl
legt. Diese Damen sehen den Geschlechtsakt nicht als
unausweichliches Schicksal zur Ruhigstellung maskuliner Bedürfnisse
an, sondern verfügen über handfeste eigene und vorallem
lebensbejahende libidinöse Interessen. Ergo gilt es nun, sich etwas
intensiver ins Schaufenster zu stellen und dabei genauer abzuwägen,
wer denn alles in den engeren Zirkel für den QUALITATIVEN Austausch
von Körpersäften kommt. Sie merken, dass die Zeit der sexuellen
Selbstläufer ab jetzt unwiderruflich vorbei ist. Die femininen
Wesen sind auf Stufe 3 nicht mehr mit überbordender Männlichkeit zu
packen, sondern fordern nach einer serviceorientierten Sexualmoral.
Sie müssen deshalb schon mit Ihrem Auftritt klarmachen, dass sie in
Bezug auf Koitus-Praktiken die Bereitschaft zum Liefern haben, bevor
die Dame ihrerseits aktiv ins Geschehen eingreift. Ihre bisherige
erfolgsversprechende Aura, welche nonverbal besagte, dass Sie nicht
selbst runterholen, sondern onanieren lassen, hat demzufolge auf
diesem Level nur noch erotische Bremswirkung. Eher werden Sie Alice
Schwarzer als Fluff-Girl in einer Bondage-Produktion erleben, als
dass die bisher vollzogene Macho-Nummer im angesagten Nachtclub
einer Universitätsstadt noch irgendwelche Erfolgserlebnisse
hervorruft. Wer also seinem Wasserbett heute Abend ohne Aufpreis
eine signifikante Zuladung an weiblichem Menschenmaterial zumuten
möchte, der sollte sich diesen neuen Gegebenheiten zwingend
anpassen !
2.) Wir
sprachen bereits in der letzten Folge über Homophobie in eigentlich
für gleichgeschlechtliche Liebe prädestinierten Gebieten.
Vielleicht lässt sich eine solche dubiose Hass-Haltung auch mit
Neid auf den in schwulen und lesbischen Kreisen sehr beliebten
„Hanky-Code“ erklären. Diese Kleidungs-Semiotik regelt in den
einschlägigen Etablissements optisch auffallend und für jeden
leicht nachvollziehbar, wer sexuell was anzubieten hat oder sucht.
Heißt in der Praxis: Wer auf Homo-Partys ein himmelblaues
Taschentuch in der linken Hosentasche stecken hat, würde bei
zwischenmenschlicher Stimmigkeit gerne aktiv zur Fellatio ansetzen.
Wer hingegen rechtsseitig altrosa trägt, stellt beim allseits beliebten
Tittentrim unentgeltlich das zu bearbeitende Material zur Verfügung.
Dieses optisch leicht verständliche Flaggen-Alphabet für
Beischlafinteressenten existiert ansatzweise auch in manchen
heterosexuellen Geschäftsstellen, ist hier aber bezüglich
eindeutiger Zeichen leider immer noch die große Ausnahme. Ergo
müssen Sie als von der eigenen Libido durchgepeitschter Lustmolch
heute unterwiesen werden, welche informellen Kleidungs- und
Verhaltens-Codes bestehen. Denn bei Nichtbeachtung der folgenden
Regeln laufen Sie zwangsläufig Gefahr, den ganzen Abend in eine
Dame hinein zu investieren, die am Ende wirklich nur das lockere
Gespräch in geselliger Runde gesucht hat. Und wer betankt bei den
heutigen Spritpreisen schon gerne seinen Schlitten randvoll, um bei
der anvisierten Weiterfahrt zu merken, dass er seinem Benziner die
volle Ladung Diesel gegeben hat und nun nichts mehr auch nur einen
Meter vorwärts geht.
 |
| Die berüchtigte "Treppe der Ungefickten" |
3.) Ganz
wichtig übrigens: Ehre, Ehre, Ehre ! Das einzige männliche
Attribut, was jetzt noch zählt, allerdings in leicht abgewandelter
Form zur landläufigen Definition. Das heißt zum einen: Heute Abend
dürfen keine vollends besoffenen Weiber auf der Abschussliste
stehen ! Sicherlich ist exzessiver Alkoholkonsum DER ultimative
Dosenöffner, dass sollte DIE Binsenweisheit schlechthin sein. Aber
wir wollen zum einen den Abend mit Niveau zu Ende führen und zum
anderen suchen wir ja eine Herausforderung. Verinnerlichen Sie sich,
dass wir bereits auf Stufe 3 des Laufbahnmodells stehen. Wer jetzt
immer noch den gepflasterten Weg sucht, wird spätestens auf der
Schlaglochpiste des nächsten Levels komplett überfordert sein. Und
es geht schließlich auch ein wenig um Anerkennung ! Wenn Sie
wirklich vor dem Bekanntenkreis eine anständige sexuelle
Credibility aufbauen wollen, braucht es ab hier nur noch
zielgerichtete Bombentreffer auf kriegswichtigem Gelände und keine
unschönen Kollateralschäden. Schließlich würden Sie auch zu
Recht auf jeder anständigen Jagd ausgebuht, wenn alle Waidmänner
jeweils eine kapitale Hirschkuh aus dem Wald schleifen, während Sie
ein rollstuhlfahrendes Rehkitz auf den Sammelplatz legen. Oder wie
es der ehrenhafte Hubertuszirkel folgerichtig ausdrückt: „Besonders
unwaidmännisch ist jener Jäger, (..), der das Wild blendet, der
sich an keinen Kodex hält und dem es nur um das Fleisch geht."
Zum
anderen sei für diesen Punkt noch folgendes vor das Auge geführt: Wer gänzlich ohne Würde
an den heutigen Abend herantritt, wird zur Prime-Time gnadenlos und
mit Recht von den dignitäts-affinen Mädels ins Erotik-Abseits
gestellt und landet unweigerlich auf der berühmt-berüchtigten
„Treppe der Ungefickten“. Hierbei handelt es sich um jenen Ort,
der in Sichtweite zum Ausgang liegt und auf dem alle im Laufe des
Abends erfolglosen Jäger Platz nehmen, um zum Ende der Party doch
noch von einer mitleids-gesteuerten Dame unverhofft mitgenommen zu
werden. Ergo geht es in diesem Falle nur noch um reine Triebabfuhr
ohne Rücksicht auf Verluste bzw. das Appellieren an im
Flirt-Geschäft wenig reputationsgeladene Tugenden. Schenken Sie all
diesen fragwürdigen Argumenten keinen Glauben, dass man im Leben
restlos alles mal ausprobiert haben muss, eben auch diese schandvolle
Variante der Partnerfindung. Wer so argumentiert, der leckt auch aus
rein geschmacklichem Interesse über den Rand des soeben benutzten
Herrenklos auf dem Hamburger Hauptbahnhof.
 |
| Äußerst wichtig: Die eigene Kleidungswahl... |
Einsatz im Gefecht: Kehren
wir nochmal kurz bevor es losgeht zum heutigen Missionsziel zurück.
Wie oben bereits geschrieben geht es in dieser Lektion darum, fein
säuberlich Freund von Feind zu trennen. Wobei Freund und Feind jetzt
nicht mehr wie in Lektion 2 im eigenen geschlechtlichen Lager zu
finden sind, sondern auf Seiten der Weiberschar. Als „Freund“
wird hierbei der Typ Frau verstanden, welcher heute Nacht seine
sexuellen Wünsche und Neigungen in adäquater Weise mit Ihnen
ausleben möchte. „Als „Feind“ hingegen sind diejenigen Mädels
zu klassifizieren, welche entweder das Etablissement mit einem
platonischen Gesprächskreis verwechseln oder Ihnen bei der Suche
nach Typ 1 willentlich in die Parade fahren wollen. Eine urbane
Discothek ist in der Regel mit Vertretern beider Grundeinstellungen
gespickt, wobei sich die phallus-orientierte Fraktion nochmals in die
Parteiflügel „Jäger“ und „Gejagte“ aufteilt (Dazu mehr in
Teil 4). Diese Gemengelage macht den anberaumten Hammelsprung etwas
kompliziert: Mangels des schon erwähnten eindeutigen heterosexuellen
„Hanky-Codes“ erschließen sich dem ungeübten Augen die genauen
Unterschiede nicht auf direktem Wege, weswegen im Missionsziel von
einer „unklaren Gefechtslage“ gesprochen wurde. Soweit verstanden
? Schön, dann auf in die Schlacht:
Der
Kampf heute Abend beginnt nicht mit dem Übertreten der
Disco-Türschwelle, sondern bereits einige Stunden früher in Ihrem
Bade- respektive Schlafzimmer. Wer im Verlauf der Nacht nachhaltig
erfolgreich sein will, muss zwingend ein fundiertes Erscheinungsbild
auf den optischen Gabenteller legen können, um bei der Bescherung
auch Beachtung zu finden. Das Kunststück aus Lektion 1, mittels
einer Unmenge eingeworfener Getränkechips etwaige visuelle Defizite
auszugleichen, zieht hier nicht mehr. Urban geprägte Menschen
höheren Intellekts werfen zwar pausenlos mit Floskeln zur Toleranz
und Anerkennung von abweichenden Normen um sich, wollen dann aber bei
der leidigen Fickerei auf den ganz dicken Schlachtkreuzern ins Ruder
greifen. Also gilt es vorab, mit einem vertieften Blick in den
Kleiderschrank das textile Potential zu eruieren. In jeder Frau
steckt schließlich ein auf Kleidung starrender Türsteher, den es
unbedingt zu überzeugen gilt rein zu dürfen. Und gerade in einer
Großstadt schreit der inoffizielle Dress-Code nach einer überzeugend
gehaltenen Balance bei der Style-Ausprägung: Zu dick aufgetragen ist
ebenso wenig förderlich wie eine optische Magerkur bei der
Abendgarderobe. Wer abseits einer BWL- oder Juraparty im gebügelten
Stresemann mit heraushängendem Mundtuch vor den Tresen tritt, wird
kaum Aussichten auf eine erfolgreiche Gestaltung des Abends haben.
Auf der anderen Seite leisten der Disneyfizierung anheim gefallene
Klamotten wie knallbunte T-Shirts mit ideologisch bedenklichen
Sprüchen aus dem EMP-Katalog (Marke: „Trübsal ist nicht alles was
man blasen kann...“) auch keinen wertvollen Beitrag im Rennen um
das weibliche Geschlecht. Eine bis zur moderat sitzenden
Relax-Fit-Pant reichende und locker aufgetragene Krawatte hingegen
kann das kleidungstechnische Vestibül des style-mässig sattelfesten
Party-Gängers sein. Hiermit beweisen Sie einen eloquenten Mix aus
juveniler Lässigkeit und adulter Seriosität.
Thema Schuhe: Schwarz,
Weiß, Drei Streifen, Fertig. Ist relativ günstig, klappert nicht
und veranschaulicht in subtiler Weise die auch beim anständigem
Geschlechtsverkehr nicht unwichtige sportliche Spritzigkeit. Ebenso
essentiell: Das Erscheinungsbild des Haupthaares. Sofern vorhanden,
sollten Sie hier nicht allzu viel Zeit investieren. Zu viele
Geschlechterkollegen werden im Laufe des Abends versuchen, mit ihren
aggressiv gegen die Schwerkraft gebutterten Tollen zu punkten. Welch
objektiv lachhafter Versuch ! Ihr Pudel darf NIEMALS den Eindruck
erwecken, in stundenlanger manueller Feinarbeit und unter
tatkräftiger Mithilfe einer extra für Sie von den Bayer-Werken
abgestellten Horde Chemie-Laboranten mit Promotion cum Laude mühevoll
zusammen gekleistert worden zu sein, sondern muss bei Betrachtung
durch die werten Damen diesen für ihre Urteilsfindung allein das
Adjektiv „gottgewollt“ entgegenschleudern. Visuelles Talent und
empfangenes Frisuren-Gnadentum von höchster spiritueller Stelle
obsiegen hier klar gegen zwanghafte Bemühungen. Klingt nicht nach
den Maßstäben unserer Leistungsgesellschaft, ist aber kaum zu
leugnendes Faktum.
 |
| ... und die der Damen |
So,
jetzt schnell noch einen Schlag Wasser in den Nacken, ein
ansprechendes Deodorant unter die Achseln (und bei optimistischer
Euphorie auch gerne ein kleines Schüsschen in die Boxershort) und
hinein ins Taxi. Dieses Beförderungsmittel sollte eh Ihre mobile
Wahl heute Abend sein. Zum einen entfällt so das Aufräumen der
eigenen hoffnungslos zugemüllten Karre, zum anderen sieht es im
Gegensatz zu Busfahren nicht nach einem Konto jenseits des
eingeräumten Dispos aus. Darüber hinaus wollen wir uns als
zivilisierte Mitteleuropäer ja auch noch in den nächsten Stunden
den ein oder anderen 18er Glenfiddich auf Eis reinstellen. Also bei
Ankunft wieder raus aus dem Elfenbein-Brummer, Eintritt zahlen, durch
die Eingangspforte hinein ins Glück und schnell in den hinteren Teil
des Party-Tempels. Die versammelte Gästeschar rückt hier etwas
enger zusammen, was die Sicht naturgemäß eklatant einschränkt und
ein gutes Indiz dafür ist, dass hier die Mädels nicht aktiv auf der
Lauer liegen. Im Gegenteil tummeln sich in diesem Winkel die Vertreterinnen der
Spezies Frau, welche aufgrund einer romantisch-verklärenden
Weltanschauung entdeckt und erobert werden wollen. Und Sie sind der
hoch zu Ross trabende Ritter, der zur Errettung geschwind
heranschreitet ! Schauen Sie sich erst einmal um und lächeln Sie ein
wenig in die Runde. Kleidungswahl beachten !!! Alles was sich mit
strassbesetzten Klamotten, Schuhen mit kleinen Lederschleifchen oder
knalligen Tops mit Tiermotiven (Häschen, Marienkäfer, Iltis) aus
dem Haus traut, hört bei Wiedereinkehr in die angemieteten
Räumlichkeiten zum Einschlafen die alten Bibi-Blocksberg-Kassetten
und ist diskussionslos als Feindobjekt zu identifizieren ! Gleiche
Kategorie bei Trägerinnen extrem hochhackigen Schuhwerks, allerdings
hier mit anderer Begründung: Diese Damen haben prinzipiell nichts
gegen amtliche Liebesspiele, fallen aber davor, danach und gerne auch
mal mittendrin aufgrund von exzessivem Rumgezicke aus niederen
Beweggründen aus dem Raster. Der ganze Rest kann hingegen zumindest
probeweise angesprochen werden. Sobald Ihre Begrüßungsgeste also
von einer kleidungsmässig unverfänglichen potentiellen Zielperson
zwanglos und freundlich erwidert wird, stellen Sie sich einfach mal
dazu. Aller Anfang ist zunächst einmal schwer und niemand würde
sich ernsthaft die ersten Satzwechsel des nun folgenden
Kennenlern-Gespräches auf MP3 bannen, um sich diese Tonspur wieder
und wieder zuhause anzuhören. Also schön locker machen und einfach
mal auf die Situation einlassen, solange Ihnen dabei keine Floskeln a
la „Na, auch hier“ unterkommen. Allerdings sollte das Niveau der
Unterhaltung sukzessive gesteigert werden, um sich nachhaltig
interessant zu machen, zu fesseln, zu begeistern !
Im
Prinzip sind Sie schon ziemlich straight auf dem Weg zur Tränke,
denn der heißt nun folgerichtig: Labern, labern, labern. Die
wichtigste Waffe ist jetzt Ihr Wort und dieses ohnehin in jeder
Lebenslage essentielle Kampfgerät sollte am besten vorab per
Rhetorikkurs ausreichend geschärft worden sein. Wer im Stande ist,
binnen Sekunden einen zugekifften Coffee-Shop mit einer handfesten
Sportpalast-Atmosphäre zu belegen, der wird bei Zapfenstreich als
unbestreitbarer Sieger vom Feld der Ehre schreiten ! Aber auch hier
gilt wie bei der Kleidungswahl die Balance. Vermeiden Sie all dieses
esoterische Geblubber, sowie verbale Räucherstächen, welche
langfristig die Gehirnwindungen vernebeln ! Sowas interessiert keine
(geile) Sau und geschieht auch nur des Redens willen. Und mit so
einer Einstellung hätten wir uns gleich bei Bärbel Schäfer
reinsetzen können. Richten Sie sich lieber eine argumentative
Komfortzone ein, welche in durchaus bunten Farben ausgestaltet ist,
dabei aber auch inhaltlich ein wenig schwanger geht: Politik,
Frauenfußball oder eine interessante wissenschaftliche Disziplin auf
rudimentärer Basis können thematisch optimal das Gesprächsfeld
grundieren. Aber übertreiben sie nicht bei der Anbiederung: Wer sich
gleich bei der Dialogseröffnung ungefragt als radikaler Humanist, militanter Tierschützer, ehrenamtlicher Essen-Auf-Rädern-Lieferant oder
sonstiger altruistischer Fels in der egomanischen Brandung
präsentiert, dem blättert schnell die kleidungstechnisch mühsam
aufgetragene Pomade der Glaubwürdigkeit ab. Auch bedingungsloser
Meinungsinzest wider besseren Wissens ist kaum vertrauenerweckend und
damit ebenso wenig ratsam, es sei denn die Auserwählte schläft
Abends unter einem goldumrahmten Jürgen-Rüttgers-Portrait ein.
 |
| Nehmen Sie die Frau im Gespräch unbedingt ernst ! |
Allerdings
sollten Sie Ihren Stiefel auf keinen Fall im Autoparlando runterbeten, ist der
ausufernde Monolog schließlich die Erkennungsmarke des gelernten
Ich-Aktionärs ! Stichwort Zuhören, bzw., um es für Sie nicht allzu
schwierig zu gestalten: Ab und an auch mal einfach die Fresse halten.
Trotzdem sollte zwischendurch der ein oder andere feminine Wortfetzen
aufgeschnappt und verarbeitet werden. Lenken Sie dringend Ihre
Aufmerksamkeit darauf, welche begrifflichen Pferde die Dame reitet.
Werden Sätze gerne Mal mit den Worten „Mein Ex...“ eingeleitet,
gibt es zwei Optionen:
Das
Mädel hat ein kurz- bis mittelfristig zurückliegendes
Beziehungsdrama noch immer nicht ausreichend verarbeitet, weswegen
das abendliche Motto in Bezug auf korrekt verstandener Nächstenliebe
„rien ne va plus“ heißt.
Das
Mädel hat ein kurz- bis mittelfristig zurückliegendes
Beziehungsdrama noch immer nicht ausreichend verarbeitet, weswegen
das abendliche Motto in Bezug auf korrekt verstandener Nächstenliebe
„ich suche einen Lückenfüller“ heißt.
Option
1 ist der Feind, quasi der Beelzebub für einen Glaubensbruder von
unverbindlichen fleischlichen Gelüsten. Option 2 allerdings ist
nicht eindeutig in das Freund-Feind-Schema zu pressen: Einerseits ist
die Lückenfüller-Position ja nicht zwangsläufig hinderlich, da
schließlich niemand heute Nacht noch heiraten möchte. Andererseits
können emotionale Flashbacks seitens des weiblichen Parts mitten in
verschärften Korpulationsbestrebungen schnell die aphrodisierende
Wirkung des erotischen Moments ins Gegenteil verkehren. Genau das
sind die Konstellationen, wo jeder schematische Ratgeber versagen
muss. Also sind Sie gefragt, hier eine situativ vertretbare
Entscheidung zu fällen.
 |
| Der absolute Tod-Feind: Tanzendes Weibsvolk |
Doch
weiter im Text: Nicht jede Frau hat zwangsläufig das Bedürfnis, dem
Gegenüber direkt das Schicksal zurückliegender Beziehungen ans Bein
zu binden. Sofern die Dame nach geraumer Zeit immer noch keine
Anstalten macht, das Gespräch zu beenden, muss zeitnah auf ein
Aussiebungsverfahren hingearbeitet werden. Haben wir Freund oder
Feind vor uns stehen ? Letzteres ist in jedem Fall gegeben, wenn nach
körperlicher Ertüchtigung im taktvollen Gleichmaß des vor sich hin
plätschernden Beats gefragt wird. Hüten Sie sich beileibe vor dem
maßlosen Gebrauch des Dancefloors ! Allein die Frage, ob man nicht
mit aufs Parkett wolle, sollte in einem handelsüblichen maskulinen
Ohr klingen wie die Rückkopplung eines Mikrofons über das wuchtige
5.1 Bose-Soundsystem im gleichzeitig von 350 auf 0 bremsenden ICE !!!
Mag sein, dass laut diversen empirisch validierten Studien bei Frauen
der exzessive Tanz weitläufig als lupenreines Balzverhalten
abgebucht wird. Nur droht eine solche Szenerie nur allzu gern Gefahr
zu laufen, sich einzig und allein um eben solche rhythmische
Bewegungen OHNE gegenseitige Penetration erogener Zonen zu drehen.
Der Wiener Opernball ist immer wieder aufs Neue voll mit tanzwütigen
Weibern, aber haben Sie in diesem Zusammenhang jemals von einer sich
im Anschluss daran wahllos bildende Akkumulation von wolllüstig
aufgepeitschten Menschen gehört, welche kollektiv entgegen alter
Väter Sitte von allen zivilisatorisch erdachten Hemmungen befreit,
mit Gleitmitteln von oben bis unten beschmiert und unterschiedslos
die erstbeste Körperöffnung bearbeitend übereinander hergefallen
wären ? Und selbst wenn dem in der Praxis tatsächlich so wäre, ist
diese Eintrittskarte preislich wohl wenig attraktiv. Deshalb die
Faustregel: Wer tanzt, ist Feind AUSRUFEZEICHEN
 |
| Konsequenz der 80er-Jahre-Methode |
Eine
eher positive Beischlaf-Prognose kann hingegen schnell erstellt
werden, wenn man nach dem anfänglichen Warmwerden den inhaltlichen
Schwerpunkt abrupt auf triebhafte Themen lenkt. Nicht mit der Tür
ins Haus fallend, aber durchaus ein wenig plakativ. Keine platten
Sprüche, aber zumindest ein bisschen bildhafte Sprache verwendend. Und dabei im Gegensatz zu Lektion 1 immer die oben erwähnte service-orientierte Neigung raus hängen lassen, gerne auch durch Gesten mit Signalwirkung untermalt. Der Basser von Kiss ist schließlich bei Frauen nicht aufgrund seiner Maskerade hoch im Kurs ! Steigt der feminine Konterpart verständnisvoll schmunzelt ins
verbale Geschehen ein, hat man ein tragfähiges Fundament gelegt.
Unterfüttern Sie den hergestellten atmosphärischen Rahmen durch die
Handreichung eines ebenso atmosphärisch stimmigen Trunks (Tipp:
Längliches, aber nicht zu konisch ausgestaltetes Behältnis mit
ergonomisch geformter Konkav-Welle kurz vor dem obigen Glasabschluß, Inhalt
egal) und bereiten Sie sich auf die nächste Etappe vor. Aber Obacht
! Im weiteren Gespräch nicht zu vorschnell abschlußorientiert
agieren ! Der Weg ist Ziel, zumindest bis das Ziel in unmittelbarer
Sichtweite ist. Dementsprechend kann ein solches Vorgehen ruhig mal
ein paar Minuten dauern, wenn sie nur zielgerichtet
linear-progressiven durch weiteres Einstreuen doppeldeutiger und
später unverkennbar eindeutige Begriffe auf die Eskalation
hinarbeiten. Stehen die Zeichen jetzt immer noch auf Sturm, sollte
über den Wechsel in die nächste Phase nachgedacht werden.
Halten
Sie sich beim angezeigten Phasenwechsel allerdings nicht mit den
abgegriffenen Flirt-Gebaren der 80er Jahre auf ! Zu Zeiten der ersten Generation
von Modern Talking war der direkte Handgriff an das Heck einer Dame
sicherlich ein probates, wenn auch risikofreudiges Mittel der
forcierten Ergebniskontrolle nach umfangreicher Umgarnung: Entweder
man kassierte postwendend die Schelle und hatte Unmengen Cocktails
für nichts ausgegeben, oder das Objekt der Begierde sprang auf diese
schlüpfrige Nummer direkt an und riss freudestrahlend die Beine
auseinander. Da wir aber mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen
sind, hat die breite Masse des femininen Geschlechts zumindest mal
oberflächlich in der „Emma“ geblättert und einen durch das
kommunale Gleichstellungsreferat subventionierten
Selbstverteidigungskurs belegt ! Deshalb handeln Sie sich heutzutage
mit einer solchen Aktion in Tresenweite unweigerlich einen
komplizierten Nasenbeinbruch nebst Kurzurlaub in der Zelle aufgrund
unzüchtigen Verhaltens ein. Egal wie asynchron die Sympathien vorher
zu Ihren Gunsten verteilt waren.
Ergo
muss anders ans Werk gegangen werden. Ein vorab erfolgter Blick in
die Bibliographie von Heinz Sielmann sollte dabei zur Erkennung der
Lage nicht hinderlich sein. Schließlich ist der Mensch lediglich ein
zur Selbstreflexion fähiges Tier, bei dem die animalischen
Grundfunktionen immer noch erstaunlich gut intakt sind: Wird Ihnen
seitens der potentiellen Gespielin in spe eine laszive Willigkeit
angezeigt, welche aber durch eine zögerliche Natur gebremst wird,
passen Sie Ihren Schlachtplan einfach an die vorgefundene Situation
an. Die Frau ist ein Rudeltier, dass gilt um so mehr, je unsicherer
sie agiert. Nur ungern löst sie sich von ihrer Gruppe, die ihr
Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Egal wie ansprechend Ihr
Auftritt auf sie wirkt. Problem ist, dass sie in diesem Fall umringt
wird von unzähligen sie neidvoll beäugenden Freundinnen, die ihr
permanent im Ohr liegen und alles daran setzten, Ihnen verbale
Stöckchen in die Speichen zu stecken. Hierbei haben wir es mit einer
negativen Spezies der bereits bekannten „Flüsterinnen“ (siehe
Stufe 1) zu tun: Diese mit dem Zielobjekt emotional verbundenen
Personen sind nicht wie bisher gewohnt in Ihrem Sinne
instrumentalisierbar, sondern verhalten sich auf Ihrer Pirsch so wie
eine Meute PETA-Aktivisten auf einer royalistischen Treibjagd. Heißt:
Sie werden topfschlagend durch das kognitive Unterholz ihrer Freundin
rennen und jeden lüsternen Gedanken aufzuschrecken versuchen. Hier
hilft dann nur noch die Neandertaler-Taktik: Das Beutetier muss von
der Herde weggelockt und dann erlegt werden.
 |
| Beziehen Sie unvorbereitete Menschen in Ihr Spiel mit ein |
Dazu
hilft der folgende symbiotisch ausgestaltete Kniff: Sie haben doch
tatsächlich dort hinten gerade einen alten Kollegen aus Schulzeiten
gesichtet, mit welchem Sie kurz mal ein Bier trinken müssten. „Wenn
de Bock hast, kannste ja gleich dazu stoßen.“ Damit ist beiden
Seiten enorm geholfen: Sie signalisieren einerseits ihr durch die
Blume, dass großes Interesse an weiteren nächtlichen Aktivitäten
über diesen Discobesuch hinaus besteht. Damit weiß die Dame
ziemlich genau woran sie ist. Andererseits erwächst aus dieser
Maßnahme auf Ihrer Habenseite eine exakte Evaluation Ihrer
Anziehungskraft: Wird Ihnen wirklich nach ein paar Minuten
unauffällig gefolgt, waren Ihre bisherigen Bemühungen von Erfolg
gekrönt. Ansonsten sind sie stundenlang einem „Feind“
aufgesessen. Wäre sicher ärgerlich, hätte aber wiederum
pädagogischen Effekt für den nächsten Versuch. Sie merken
sicherlich schnell den Unterschied zwischen den ersten beiden
Lektionen und der hier vorliegenden Stufe: In der Ü-30-Disko wie in
der Sky-Sports-Bar gebärdeten sich die dort ansässigen, eher
niveau-ungebundenen Frauen vornehmlich wie Hunde: Vollends dressiert,
im Verhalten von äußerster Prädiktion getragen und nicht vom Fuße
weichend. Heute Abend aber haben wir es mehrheitlich mit
selbstbewussten Katzen zu tun, die vollständig auf eigene Rechnung
handeln und deren Sympathie man sich aufwendig erarbeiten muss, will
man ihren Nacken kraulen dürfen. Der Ausgang des Disko-Besuches ist
zu diesem Zeitpunkt also immer noch völlig ergebnisoffen und kaum
vorherzusehen. Allerdings haben Sie vorab alle Kleidungsregeln
beachtet, in unklarer Gefechtslage den „Freund“ erkannt und sind
anschließend umsichtig vorgegangen. Was soll jetzt noch schief gehen
?
Aber
gut, vergessen wir nicht, kurz vor dem erhofften Ende den finalen
Schritt auszuführen. Stellen Sie sich also kurz zu irgendeinem
unbekannten Typen, der optisch nicht zu sehr aus dem Rahmen fällt
(denn die umstehenden Bekannten sagen ja immer auch was über einen
selbst aus), aber andersrum auch nicht das Potential besitzt, im
angebrochenen Endstadium Ihre aufkeimende Saat als Ernte einzufahren.
Augenblickliches Pokern ist hier angezeigt, schließlich begegnet man sich
zum ersten Mal, muss aber auf alten Bekannten machen. „Bist du
nicht ? Oh, bist du nicht ? Aber du warst doch auch auf der ? Nein ?
Wahnsinn, ich hätte schwören können... Du siehst echt genauso aus
wie er. Sachen gibt’s...“ Dieser reichlich dämlich anmutende,
aber dennoch sehr effektive Einstieg reicht völlig, um für 2,3
Minuten einen lauwarmen Dialog über Verwechslungen aufrecht zu
halten. Dann streift Ihnen von hinten auch schon zärtlich eine Hand
über den Rücken, während das ersehnte Gesicht erscheint, sich
Ihrem Ohr nähert und mit Schlafzimmerblick flüsternd fragt: „Zu
mir oder zu dir ?“ Natürlich zu Ihnen. Die gestern frisch gekaufte
und feierlich aufs Lattenrost genagelte Dunlopillo will
schließlich vor Ablauf der Garantie einem umfangreichen Stresstest unterzogen werden. Ach ne, der Lange hat
ja heute morgen nach dem post-komatösen Eieressen noch minutenlang
hinter die Heizung gekotzt, welche Sie eigentlich wegen der
penetranten Geruchsentwicklung auch noch vor dem Weggehen etwas runterdrehen wollten.
„Lass ma zu dir, ich find grad meinen Schlüssel nicht...“ Glückwunsch, Sie wurden befördert !