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Montag, 9. April 2012

Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 3

Nun also Lektion 3 unserer kleinen Reihe. Langsam aber sicher wird der Schwierigkeitsgrad hier angezogen, was aber Ihre Erfolgsaussichten nicht schmälern sollte, da Sie auf die heutige Aufgabe durch Ihre bisher erworbenen Kompetenzen bestens vorbereitet sind. Wir werden uns heute von der strikt schematischen Herangehensweise der ersten beiden Lektionen ein wenig lösen und auf mittelschwer vorhersehbare zwischenmenschliche Konstellationen treffen. Der Zweck wird daher im Folgenden sein, in einer nicht eindeutig einschätzbaren Situation die richtige Zielpersonen ausfindig zu machen und entsprechend zu bearbeiten.


Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 3
Heute: Spezialgrundausbildung

Einsatzgebiet: Besuch eines urban ausgerichteten Nachtclubs

Zu erreichende Kompetenz: Genaue Freund-Feind-Erkennung bei unklarer Gefechtslage

Dienstgrad bei erfolgreichem Absch(l)uss: Phallus-Feldwebel




 Hanky-Code in der Praxis
Basics: Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen, seien vorher nochmal kurz die Grundlagen der kommenden nächtlichen Initiation geklärt:

1.) Wir sind im bisherigen Verlauf unserer Laufbahn ein gutes Stück vorangekommen, haben Ihnen aber eine Kleinigkeit verschwiegen: Sämtliche Vertreter der Damenwelt traten uns in den vorangegangenen Folgen lediglich als willenlose Objekte, ja quasi sexuelle Verfügungsmasse entgegen. Das mag für die bis hier abgehandelten Jagdreviere, Ü-30-Party und Sky-Sports-Bar, auch durchaus so zu verifizieren sein. Dieses waren aber Kriegsschauplätze in geistig eher dörflicher Atmosphäre, selbst wenn die abgearbeiteten Gebiete physikalisch in städtischer Umgebung lagen. Mit dem jetzigen Eintritt in wirklich urbane Gaststätten haben wir es nun aber auf der zwischenmenschlichen Ebene mit modern ausgerichteten Gedankenstrukturen zu tun, die die Handlungen der Damenwelt und damit den genauen Ablauf der Nacht etwas anders steuern. In eben solchen Feierbetrieben werden Sie nun auf Weibsvolk treffen, dass weitestgehend (und jetzt schnallen Sie sich bitte an) Wert auf einen eigenen Willen und unbedingte Selbstbestimmung in der Paarungswahl legt. Diese Damen sehen den Geschlechtsakt nicht als unausweichliches Schicksal zur Ruhigstellung maskuliner Bedürfnisse an, sondern verfügen über handfeste eigene und vorallem lebensbejahende libidinöse Interessen. Ergo gilt es nun, sich etwas intensiver ins Schaufenster zu stellen und dabei genauer abzuwägen, wer denn alles in den engeren Zirkel für den QUALITATIVEN Austausch von Körpersäften kommt. Sie merken, dass die Zeit der sexuellen Selbstläufer ab jetzt unwiderruflich vorbei ist. Die femininen Wesen sind auf Stufe 3 nicht mehr mit überbordender Männlichkeit zu packen, sondern fordern nach einer serviceorientierten Sexualmoral. Sie müssen deshalb schon mit Ihrem Auftritt klarmachen, dass sie in Bezug auf Koitus-Praktiken die Bereitschaft zum Liefern haben, bevor die Dame ihrerseits aktiv ins Geschehen eingreift. Ihre bisherige erfolgsversprechende Aura, welche nonverbal besagte, dass Sie nicht selbst runterholen, sondern onanieren lassen, hat demzufolge auf diesem Level nur noch erotische Bremswirkung. Eher werden Sie Alice Schwarzer als Fluff-Girl in einer Bondage-Produktion erleben, als dass die bisher vollzogene Macho-Nummer im angesagten Nachtclub einer Universitätsstadt noch irgendwelche Erfolgserlebnisse hervorruft. Wer also seinem Wasserbett heute Abend ohne Aufpreis eine signifikante Zuladung an weiblichem Menschenmaterial zumuten möchte, der sollte sich diesen neuen Gegebenheiten zwingend anpassen !   

2.) Wir sprachen bereits in der letzten Folge über Homophobie in eigentlich für gleichgeschlechtliche Liebe prädestinierten Gebieten. Vielleicht lässt sich eine solche dubiose Hass-Haltung auch mit Neid auf den in schwulen und lesbischen Kreisen sehr beliebten „Hanky-Code“ erklären. Diese Kleidungs-Semiotik regelt in den einschlägigen Etablissements optisch auffallend und für jeden leicht nachvollziehbar, wer sexuell was anzubieten hat oder sucht. Heißt in der Praxis: Wer auf Homo-Partys ein himmelblaues Taschentuch in der linken Hosentasche stecken hat, würde bei zwischenmenschlicher Stimmigkeit gerne aktiv zur Fellatio ansetzen. Wer hingegen rechtsseitig altrosa trägt, stellt beim allseits beliebten Tittentrim unentgeltlich das zu bearbeitende Material zur Verfügung. Dieses optisch leicht verständliche Flaggen-Alphabet für Beischlafinteressenten existiert ansatzweise auch in manchen heterosexuellen Geschäftsstellen, ist hier aber bezüglich eindeutiger Zeichen leider immer noch die große Ausnahme. Ergo müssen Sie als von der eigenen Libido durchgepeitschter Lustmolch heute unterwiesen werden, welche informellen Kleidungs- und Verhaltens-Codes bestehen. Denn bei Nichtbeachtung der folgenden Regeln laufen Sie zwangsläufig Gefahr, den ganzen Abend in eine Dame hinein zu investieren, die am Ende wirklich nur das lockere Gespräch in geselliger Runde gesucht hat. Und wer betankt bei den heutigen Spritpreisen schon gerne seinen Schlitten randvoll, um bei der anvisierten Weiterfahrt zu merken, dass er seinem Benziner die volle Ladung Diesel gegeben hat und nun nichts mehr auch nur einen Meter vorwärts geht. 

Die berüchtigte "Treppe der Ungefickten"
3.) Ganz wichtig übrigens: Ehre, Ehre, Ehre ! Das einzige männliche Attribut, was jetzt noch zählt, allerdings in leicht abgewandelter Form zur landläufigen Definition. Das heißt zum einen: Heute Abend dürfen keine vollends besoffenen Weiber auf der Abschussliste stehen ! Sicherlich ist exzessiver Alkoholkonsum DER ultimative Dosenöffner, dass sollte DIE Binsenweisheit schlechthin sein. Aber wir wollen zum einen den Abend mit Niveau zu Ende führen und zum anderen suchen wir ja eine Herausforderung. Verinnerlichen Sie sich, dass wir bereits auf Stufe 3 des Laufbahnmodells stehen. Wer jetzt immer noch den gepflasterten Weg sucht, wird spätestens auf der Schlaglochpiste des nächsten Levels komplett überfordert sein. Und es geht schließlich auch ein wenig um Anerkennung ! Wenn Sie wirklich vor dem Bekanntenkreis eine anständige sexuelle Credibility aufbauen wollen, braucht es ab hier nur noch zielgerichtete Bombentreffer auf kriegswichtigem Gelände und keine unschönen Kollateralschäden. Schließlich würden Sie auch zu Recht auf jeder anständigen Jagd ausgebuht, wenn alle Waidmänner jeweils eine kapitale Hirschkuh aus dem Wald schleifen, während Sie ein rollstuhlfahrendes Rehkitz auf den Sammelplatz legen. Oder wie es der ehrenhafte Hubertuszirkel folgerichtig ausdrückt: „Besonders unwaidmännisch ist jener Jäger, (..), der das Wild blendet, der sich an keinen Kodex hält und dem es nur um das Fleisch geht."

Zum anderen sei für diesen Punkt noch folgendes vor das Auge geführt: Wer gänzlich ohne Würde an den heutigen Abend herantritt, wird zur Prime-Time gnadenlos und mit Recht von den dignitäts-affinen Mädels ins Erotik-Abseits gestellt und landet unweigerlich auf der berühmt-berüchtigten „Treppe der Ungefickten“. Hierbei handelt es sich um jenen Ort, der in Sichtweite zum Ausgang liegt und auf dem alle im Laufe des Abends erfolglosen Jäger Platz nehmen, um zum Ende der Party doch noch von einer mitleids-gesteuerten Dame unverhofft mitgenommen zu werden. Ergo geht es in diesem Falle nur noch um reine Triebabfuhr ohne Rücksicht auf Verluste bzw. das Appellieren an im Flirt-Geschäft wenig reputationsgeladene Tugenden. Schenken Sie all diesen fragwürdigen Argumenten keinen Glauben, dass man im Leben restlos alles mal ausprobiert haben muss, eben auch diese schandvolle Variante der Partnerfindung. Wer so argumentiert, der leckt auch aus rein geschmacklichem Interesse über den Rand des soeben benutzten Herrenklos auf dem Hamburger Hauptbahnhof.

Äußerst wichtig: Die eigene Kleidungswahl...
Einsatz im Gefecht: Kehren wir nochmal kurz bevor es losgeht zum heutigen Missionsziel zurück. Wie oben bereits geschrieben geht es in dieser Lektion darum, fein säuberlich Freund von Feind zu trennen. Wobei Freund und Feind jetzt nicht mehr wie in Lektion 2 im eigenen geschlechtlichen Lager zu finden sind, sondern auf Seiten der Weiberschar. Als „Freund“ wird hierbei der Typ Frau verstanden, welcher heute Nacht seine sexuellen Wünsche und Neigungen in adäquater Weise mit Ihnen ausleben möchte. „Als „Feind“ hingegen sind diejenigen Mädels zu klassifizieren, welche entweder das Etablissement mit einem platonischen Gesprächskreis verwechseln oder Ihnen bei der Suche nach Typ 1 willentlich in die Parade fahren wollen. Eine urbane Discothek ist in der Regel mit Vertretern beider Grundeinstellungen gespickt, wobei sich die phallus-orientierte Fraktion nochmals in die Parteiflügel „Jäger“ und „Gejagte“ aufteilt (Dazu mehr in Teil 4). Diese Gemengelage macht den anberaumten Hammelsprung etwas kompliziert: Mangels des schon erwähnten eindeutigen heterosexuellen „Hanky-Codes“ erschließen sich dem ungeübten Augen die genauen Unterschiede nicht auf direktem Wege, weswegen im Missionsziel von einer „unklaren Gefechtslage“ gesprochen wurde. Soweit verstanden ? Schön, dann auf in die Schlacht:


Der Kampf heute Abend beginnt nicht mit dem Übertreten der Disco-Türschwelle, sondern bereits einige Stunden früher in Ihrem Bade- respektive Schlafzimmer. Wer im Verlauf der Nacht nachhaltig erfolgreich sein will, muss zwingend ein fundiertes Erscheinungsbild auf den optischen Gabenteller legen können, um bei der Bescherung auch Beachtung zu finden. Das Kunststück aus Lektion 1, mittels einer Unmenge eingeworfener Getränkechips etwaige visuelle Defizite auszugleichen, zieht hier nicht mehr. Urban geprägte Menschen höheren Intellekts werfen zwar pausenlos mit Floskeln zur Toleranz und Anerkennung von abweichenden Normen um sich, wollen dann aber bei der leidigen Fickerei auf den ganz dicken Schlachtkreuzern ins Ruder greifen. Also gilt es vorab, mit einem vertieften Blick in den Kleiderschrank das textile Potential zu eruieren. In jeder Frau steckt schließlich ein auf Kleidung starrender Türsteher, den es unbedingt zu überzeugen gilt rein zu dürfen. Und gerade in einer Großstadt schreit der inoffizielle Dress-Code nach einer überzeugend gehaltenen Balance bei der Style-Ausprägung: Zu dick aufgetragen ist ebenso wenig förderlich wie eine optische Magerkur bei der Abendgarderobe. Wer abseits einer BWL- oder Juraparty im gebügelten Stresemann mit heraushängendem Mundtuch vor den Tresen tritt, wird kaum Aussichten auf eine erfolgreiche Gestaltung des Abends haben. Auf der anderen Seite leisten der Disneyfizierung anheim gefallene Klamotten wie knallbunte T-Shirts mit ideologisch bedenklichen Sprüchen aus dem EMP-Katalog (Marke: „Trübsal ist nicht alles was man blasen kann...“) auch keinen wertvollen Beitrag im Rennen um das weibliche Geschlecht. Eine bis zur moderat sitzenden Relax-Fit-Pant reichende und locker aufgetragene Krawatte hingegen kann das kleidungstechnische Vestibül des style-mässig sattelfesten Party-Gängers sein. Hiermit beweisen Sie einen eloquenten Mix aus juveniler Lässigkeit und adulter Seriosität. 

Thema Schuhe: Schwarz, Weiß, Drei Streifen, Fertig. Ist relativ günstig, klappert nicht und veranschaulicht in subtiler Weise die auch beim anständigem Geschlechtsverkehr nicht unwichtige sportliche Spritzigkeit. Ebenso essentiell: Das Erscheinungsbild des Haupthaares. Sofern vorhanden, sollten Sie hier nicht allzu viel Zeit investieren. Zu viele Geschlechterkollegen werden im Laufe des Abends versuchen, mit ihren aggressiv gegen die Schwerkraft gebutterten Tollen zu punkten. Welch objektiv lachhafter Versuch ! Ihr Pudel darf NIEMALS den Eindruck erwecken, in stundenlanger manueller Feinarbeit und unter tatkräftiger Mithilfe einer extra für Sie von den Bayer-Werken abgestellten Horde Chemie-Laboranten mit Promotion cum Laude mühevoll zusammen gekleistert worden zu sein, sondern muss bei Betrachtung durch die werten Damen diesen für ihre Urteilsfindung allein das Adjektiv „gottgewollt“ entgegenschleudern. Visuelles Talent und empfangenes Frisuren-Gnadentum von höchster spiritueller Stelle obsiegen hier klar gegen zwanghafte Bemühungen. Klingt nicht nach den Maßstäben unserer Leistungsgesellschaft, ist aber kaum zu leugnendes Faktum. 

... und die der Damen
So, jetzt schnell noch einen Schlag Wasser in den Nacken, ein ansprechendes Deodorant unter die Achseln (und bei optimistischer Euphorie auch gerne ein kleines Schüsschen in die Boxershort) und hinein ins Taxi. Dieses Beförderungsmittel sollte eh Ihre mobile Wahl heute Abend sein. Zum einen entfällt so das Aufräumen der eigenen hoffnungslos zugemüllten Karre, zum anderen sieht es im Gegensatz zu Busfahren nicht nach einem Konto jenseits des eingeräumten Dispos aus. Darüber hinaus wollen wir uns als zivilisierte Mitteleuropäer ja auch noch in den nächsten Stunden den ein oder anderen 18er Glenfiddich auf Eis reinstellen. Also bei Ankunft wieder raus aus dem Elfenbein-Brummer, Eintritt zahlen, durch die Eingangspforte hinein ins Glück und schnell in den hinteren Teil des Party-Tempels. Die versammelte Gästeschar rückt hier etwas enger zusammen, was die Sicht naturgemäß eklatant einschränkt und ein gutes Indiz dafür ist, dass hier die Mädels nicht aktiv auf der Lauer liegen. Im Gegenteil tummeln sich in diesem Winkel die Vertreterinnen der Spezies Frau, welche aufgrund einer romantisch-verklärenden Weltanschauung entdeckt und erobert werden wollen. Und Sie sind der hoch zu Ross trabende Ritter, der zur Errettung geschwind heranschreitet ! Schauen Sie sich erst einmal um und lächeln Sie ein wenig in die Runde. Kleidungswahl beachten !!! Alles was sich mit strassbesetzten Klamotten, Schuhen mit kleinen Lederschleifchen oder knalligen Tops mit Tiermotiven (Häschen, Marienkäfer, Iltis) aus dem Haus traut, hört bei Wiedereinkehr in die angemieteten Räumlichkeiten zum Einschlafen die alten Bibi-Blocksberg-Kassetten und ist diskussionslos als Feindobjekt zu identifizieren ! Gleiche Kategorie bei Trägerinnen extrem hochhackigen Schuhwerks, allerdings hier mit anderer Begründung: Diese Damen haben prinzipiell nichts gegen amtliche Liebesspiele, fallen aber davor, danach und gerne auch mal mittendrin aufgrund von exzessivem Rumgezicke aus niederen Beweggründen aus dem Raster. Der ganze Rest kann hingegen zumindest probeweise angesprochen werden. Sobald Ihre Begrüßungsgeste also von einer kleidungsmässig unverfänglichen potentiellen Zielperson zwanglos und freundlich erwidert wird, stellen Sie sich einfach mal dazu. Aller Anfang ist zunächst einmal schwer und niemand würde sich ernsthaft die ersten Satzwechsel des nun folgenden Kennenlern-Gespräches auf MP3 bannen, um sich diese Tonspur wieder und wieder zuhause anzuhören. Also schön locker machen und einfach mal auf die Situation einlassen, solange Ihnen dabei keine Floskeln a la „Na, auch hier“ unterkommen. Allerdings sollte das Niveau der Unterhaltung sukzessive gesteigert werden, um sich nachhaltig interessant zu machen, zu fesseln, zu begeistern ! 
 
Im Prinzip sind Sie schon ziemlich straight auf dem Weg zur Tränke, denn der heißt nun folgerichtig: Labern, labern, labern. Die wichtigste Waffe ist jetzt Ihr Wort und dieses ohnehin in jeder Lebenslage essentielle Kampfgerät sollte am besten vorab per Rhetorikkurs ausreichend geschärft worden sein. Wer im Stande ist, binnen Sekunden einen zugekifften Coffee-Shop mit einer handfesten Sportpalast-Atmosphäre zu belegen, der wird bei Zapfenstreich als unbestreitbarer Sieger vom Feld der Ehre schreiten ! Aber auch hier gilt wie bei der Kleidungswahl die Balance. Vermeiden Sie all dieses esoterische Geblubber, sowie verbale Räucherstächen, welche langfristig die Gehirnwindungen vernebeln ! Sowas interessiert keine (geile) Sau und geschieht auch nur des Redens willen. Und mit so einer Einstellung hätten wir uns gleich bei Bärbel Schäfer reinsetzen können. Richten Sie sich lieber eine argumentative Komfortzone ein, welche in durchaus bunten Farben ausgestaltet ist, dabei aber auch inhaltlich ein wenig schwanger geht: Politik, Frauenfußball oder eine interessante wissenschaftliche Disziplin auf rudimentärer Basis können thematisch optimal das Gesprächsfeld grundieren. Aber übertreiben sie nicht bei der Anbiederung: Wer sich gleich bei der Dialogseröffnung ungefragt als radikaler Humanist, militanter Tierschützer, ehrenamtlicher Essen-Auf-Rädern-Lieferant oder sonstiger altruistischer Fels in der egomanischen Brandung präsentiert, dem blättert schnell die kleidungstechnisch mühsam aufgetragene Pomade der Glaubwürdigkeit ab. Auch bedingungsloser Meinungsinzest wider besseren Wissens ist kaum vertrauenerweckend und damit ebenso wenig ratsam, es sei denn die Auserwählte schläft Abends unter einem goldumrahmten Jürgen-Rüttgers-Portrait ein. 

Nehmen Sie die Frau im Gespräch unbedingt ernst !
Allerdings sollten Sie Ihren Stiefel auf keinen Fall im Autoparlando runterbeten, ist der ausufernde Monolog schließlich die Erkennungsmarke des gelernten Ich-Aktionärs ! Stichwort Zuhören, bzw., um es für Sie nicht allzu schwierig zu gestalten: Ab und an auch mal einfach die Fresse halten. Trotzdem sollte zwischendurch der ein oder andere feminine Wortfetzen aufgeschnappt und verarbeitet werden. Lenken Sie dringend Ihre Aufmerksamkeit darauf, welche begrifflichen Pferde die Dame reitet. Werden Sätze gerne Mal mit den Worten „Mein Ex...“ eingeleitet, gibt es zwei Optionen:
  1. Das Mädel hat ein kurz- bis mittelfristig zurückliegendes Beziehungsdrama noch immer nicht ausreichend verarbeitet, weswegen das abendliche Motto in Bezug auf korrekt verstandener Nächstenliebe „rien ne va plus“ heißt.
  2. Das Mädel hat ein kurz- bis mittelfristig zurückliegendes Beziehungsdrama noch immer nicht ausreichend verarbeitet, weswegen das abendliche Motto in Bezug auf korrekt verstandener Nächstenliebe „ich suche einen Lückenfüller“ heißt.
Option 1 ist der Feind, quasi der Beelzebub für einen Glaubensbruder von unverbindlichen fleischlichen Gelüsten. Option 2 allerdings ist nicht eindeutig in das Freund-Feind-Schema zu pressen: Einerseits ist die Lückenfüller-Position ja nicht zwangsläufig hinderlich, da schließlich niemand heute Nacht noch heiraten möchte. Andererseits können emotionale Flashbacks seitens des weiblichen Parts mitten in verschärften Korpulationsbestrebungen schnell die aphrodisierende Wirkung des erotischen Moments ins Gegenteil verkehren. Genau das sind die Konstellationen, wo jeder schematische Ratgeber versagen muss. Also sind Sie gefragt, hier eine situativ vertretbare Entscheidung zu fällen. 
 
Der absolute Tod-Feind: Tanzendes Weibsvolk
Doch weiter im Text: Nicht jede Frau hat zwangsläufig das Bedürfnis, dem Gegenüber direkt das Schicksal zurückliegender Beziehungen ans Bein zu binden. Sofern die Dame nach geraumer Zeit immer noch keine Anstalten macht, das Gespräch zu beenden, muss zeitnah auf ein Aussiebungsverfahren hingearbeitet werden. Haben wir Freund oder Feind vor uns stehen ? Letzteres ist in jedem Fall gegeben, wenn nach körperlicher Ertüchtigung im taktvollen Gleichmaß des vor sich hin plätschernden Beats gefragt wird. Hüten Sie sich beileibe vor dem maßlosen Gebrauch des Dancefloors ! Allein die Frage, ob man nicht mit aufs Parkett wolle, sollte in einem handelsüblichen maskulinen Ohr klingen wie die Rückkopplung eines Mikrofons über das wuchtige 5.1 Bose-Soundsystem im gleichzeitig von 350 auf 0 bremsenden ICE !!! Mag sein, dass laut diversen empirisch validierten Studien bei Frauen der exzessive Tanz weitläufig als lupenreines Balzverhalten abgebucht wird. Nur droht eine solche Szenerie nur allzu gern Gefahr zu laufen, sich einzig und allein um eben solche rhythmische Bewegungen OHNE gegenseitige Penetration erogener Zonen zu drehen. Der Wiener Opernball ist immer wieder aufs Neue voll mit tanzwütigen Weibern, aber haben Sie in diesem Zusammenhang jemals von einer sich im Anschluss daran wahllos bildende Akkumulation von wolllüstig aufgepeitschten Menschen gehört, welche kollektiv entgegen alter Väter Sitte von allen zivilisatorisch erdachten Hemmungen befreit, mit Gleitmitteln von oben bis unten beschmiert und unterschiedslos die erstbeste Körperöffnung bearbeitend übereinander hergefallen wären ? Und selbst wenn dem in der Praxis tatsächlich so wäre, ist diese Eintrittskarte preislich wohl wenig attraktiv. Deshalb die Faustregel: Wer tanzt, ist Feind AUSRUFEZEICHEN

Konsequenz der 80er-Jahre-Methode
Eine eher positive Beischlaf-Prognose kann hingegen schnell erstellt werden, wenn man nach dem anfänglichen Warmwerden den inhaltlichen Schwerpunkt abrupt auf triebhafte Themen lenkt. Nicht mit der Tür ins Haus fallend, aber durchaus ein wenig plakativ. Keine platten Sprüche, aber zumindest ein bisschen bildhafte Sprache verwendend. Und dabei im Gegensatz zu Lektion 1 immer die oben erwähnte service-orientierte Neigung raus hängen lassen, gerne auch durch Gesten mit Signalwirkung untermalt. Der Basser von Kiss ist schließlich bei Frauen nicht aufgrund seiner Maskerade hoch im Kurs ! Steigt der feminine Konterpart verständnisvoll schmunzelt ins verbale Geschehen ein, hat man ein tragfähiges Fundament gelegt. Unterfüttern Sie den hergestellten atmosphärischen Rahmen durch die Handreichung eines ebenso atmosphärisch stimmigen Trunks (Tipp: Längliches, aber nicht zu konisch ausgestaltetes Behältnis mit ergonomisch geformter Konkav-Welle kurz vor dem obigen Glasabschluß, Inhalt egal) und bereiten Sie sich auf die nächste Etappe vor. Aber Obacht ! Im weiteren Gespräch nicht zu vorschnell abschlußorientiert agieren ! Der Weg ist Ziel, zumindest bis das Ziel in unmittelbarer Sichtweite ist. Dementsprechend kann ein solches Vorgehen ruhig mal ein paar Minuten dauern, wenn sie nur zielgerichtet linear-progressiven durch weiteres Einstreuen doppeldeutiger und später unverkennbar eindeutige Begriffe auf die Eskalation hinarbeiten. Stehen die Zeichen jetzt immer noch auf Sturm, sollte über den Wechsel in die nächste Phase nachgedacht werden.

Halten Sie sich beim angezeigten Phasenwechsel allerdings nicht mit den abgegriffenen Flirt-Gebaren der 80er Jahre auf ! Zu Zeiten der ersten Generation von Modern Talking war der direkte Handgriff an das Heck einer Dame sicherlich ein probates, wenn auch risikofreudiges Mittel der forcierten Ergebniskontrolle nach umfangreicher Umgarnung: Entweder man kassierte postwendend die Schelle und hatte Unmengen Cocktails für nichts ausgegeben, oder das Objekt der Begierde sprang auf diese schlüpfrige Nummer direkt an und riss freudestrahlend die Beine auseinander. Da wir aber mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen sind, hat die breite Masse des femininen Geschlechts zumindest mal oberflächlich in der „Emma“ geblättert und einen durch das kommunale Gleichstellungsreferat subventionierten Selbstverteidigungskurs belegt ! Deshalb handeln Sie sich heutzutage mit einer solchen Aktion in Tresenweite unweigerlich einen komplizierten Nasenbeinbruch nebst Kurzurlaub in der Zelle aufgrund unzüchtigen Verhaltens ein. Egal wie asynchron die Sympathien vorher zu Ihren Gunsten verteilt waren.

Ergo muss anders ans Werk gegangen werden. Ein vorab erfolgter Blick in die Bibliographie von Heinz Sielmann sollte dabei zur Erkennung der Lage nicht hinderlich sein. Schließlich ist der Mensch lediglich ein zur Selbstreflexion fähiges Tier, bei dem die animalischen Grundfunktionen immer noch erstaunlich gut intakt sind: Wird Ihnen seitens der potentiellen Gespielin in spe eine laszive Willigkeit angezeigt, welche aber durch eine zögerliche Natur gebremst wird, passen Sie Ihren Schlachtplan einfach an die vorgefundene Situation an. Die Frau ist ein Rudeltier, dass gilt um so mehr, je unsicherer sie agiert. Nur ungern löst sie sich von ihrer Gruppe, die ihr Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Egal wie ansprechend Ihr Auftritt auf sie wirkt. Problem ist, dass sie in diesem Fall umringt wird von unzähligen sie neidvoll beäugenden Freundinnen, die ihr permanent im Ohr liegen und alles daran setzten, Ihnen verbale Stöckchen in die Speichen zu stecken. Hierbei haben wir es mit einer negativen Spezies der bereits bekannten „Flüsterinnen“ (siehe Stufe 1) zu tun: Diese mit dem Zielobjekt emotional verbundenen Personen sind nicht wie bisher gewohnt in Ihrem Sinne instrumentalisierbar, sondern verhalten sich auf Ihrer Pirsch so wie eine Meute PETA-Aktivisten auf einer royalistischen Treibjagd. Heißt: Sie werden topfschlagend durch das kognitive Unterholz ihrer Freundin rennen und jeden lüsternen Gedanken aufzuschrecken versuchen. Hier hilft dann nur noch die Neandertaler-Taktik: Das Beutetier muss von der Herde weggelockt und dann erlegt werden.

Beziehen Sie unvorbereitete Menschen in Ihr Spiel mit ein
Dazu hilft der folgende symbiotisch ausgestaltete Kniff: Sie haben doch tatsächlich dort hinten gerade einen alten Kollegen aus Schulzeiten gesichtet, mit welchem Sie kurz mal ein Bier trinken müssten. „Wenn de Bock hast, kannste ja gleich dazu stoßen.“ Damit ist beiden Seiten enorm geholfen: Sie signalisieren einerseits ihr durch die Blume, dass großes Interesse an weiteren nächtlichen Aktivitäten über diesen Discobesuch hinaus besteht. Damit weiß die Dame ziemlich genau woran sie ist. Andererseits erwächst aus dieser Maßnahme auf Ihrer Habenseite eine exakte Evaluation Ihrer Anziehungskraft: Wird Ihnen wirklich nach ein paar Minuten unauffällig gefolgt, waren Ihre bisherigen Bemühungen von Erfolg gekrönt. Ansonsten sind sie stundenlang einem „Feind“ aufgesessen. Wäre sicher ärgerlich, hätte aber wiederum pädagogischen Effekt für den nächsten Versuch. Sie merken sicherlich schnell den Unterschied zwischen den ersten beiden Lektionen und der hier vorliegenden Stufe: In der Ü-30-Disko wie in der Sky-Sports-Bar gebärdeten sich die dort ansässigen, eher niveau-ungebundenen Frauen vornehmlich wie Hunde: Vollends dressiert, im Verhalten von äußerster Prädiktion getragen und nicht vom Fuße weichend. Heute Abend aber haben wir es mehrheitlich mit selbstbewussten Katzen zu tun, die vollständig auf eigene Rechnung handeln und deren Sympathie man sich aufwendig erarbeiten muss, will man ihren Nacken kraulen dürfen. Der Ausgang des Disko-Besuches ist zu diesem Zeitpunkt also immer noch völlig ergebnisoffen und kaum vorherzusehen. Allerdings haben Sie vorab alle Kleidungsregeln beachtet, in unklarer Gefechtslage den „Freund“ erkannt und sind anschließend umsichtig vorgegangen. Was soll jetzt noch schief gehen ?

Aber gut, vergessen wir nicht, kurz vor dem erhofften Ende den finalen Schritt auszuführen. Stellen Sie sich also kurz zu irgendeinem unbekannten Typen, der optisch nicht zu sehr aus dem Rahmen fällt (denn die umstehenden Bekannten sagen ja immer auch was über einen selbst aus), aber andersrum auch nicht das Potential besitzt, im angebrochenen Endstadium Ihre aufkeimende Saat als Ernte einzufahren. Augenblickliches Pokern ist hier angezeigt, schließlich begegnet man sich zum ersten Mal, muss aber auf alten Bekannten machen. „Bist du nicht ? Oh, bist du nicht ? Aber du warst doch auch auf der ? Nein ? Wahnsinn, ich hätte schwören können... Du siehst echt genauso aus wie er. Sachen gibt’s...“ Dieser reichlich dämlich anmutende, aber dennoch sehr effektive Einstieg reicht völlig, um für 2,3 Minuten einen lauwarmen Dialog über Verwechslungen aufrecht zu halten. Dann streift Ihnen von hinten auch schon zärtlich eine Hand über den Rücken, während das ersehnte Gesicht erscheint, sich Ihrem Ohr nähert und mit Schlafzimmerblick flüsternd fragt: „Zu mir oder zu dir ?“ Natürlich zu Ihnen. Die gestern frisch gekaufte und feierlich aufs Lattenrost genagelte Dunlopillo will schließlich vor Ablauf der Garantie einem umfangreichen Stresstest unterzogen werden. Ach ne, der Lange hat ja heute morgen nach dem post-komatösen Eieressen noch minutenlang hinter die Heizung gekotzt, welche Sie eigentlich wegen der penetranten Geruchsentwicklung auch noch vor dem Weggehen etwas runterdrehen wollten. „Lass ma zu dir, ich find grad meinen Schlüssel nicht...“ Glückwunsch, Sie wurden befördert !

Freitag, 9. März 2012

Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 2

Nach erfolgreichem Bestehen unserer ersten Lektion, reichen wir Ihnen heute den darauf aufbauenden nächsten Ausbildungsschritt an. Die Penetration des Zielobjektes ist heute ebenso wie beim Teil 1 in einfacher Weise zu bewältigen und sollte Sie mit dem bisher angeeigneten Wissen vor keine unlösbaren Probleme stellen. Sexuell gesehen ist eine Sky-Sportsbar aufgrund des hohen Alkoholkonsums schließlich eher Zubringeranstalt denn uneinnehmbare Festung. Fokus ist somit auch diesmal nicht der besiegelnde Akt an sich, sondern vielmehr der Weg dorthin. Aufbauend auf der Darreichung kommunikativer Strukturen der Weiblichkeit im Vorangegangenen geht es heute um die zielführende Entledigung potentieller Konkurrenten im Kampf um das weibliche Geschlecht. 

 
Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 2

Heute: Allgemeine Grundausbildung

Einsatzgebiet: Besuch der Sky-Sportsbar in Castrop-Rauxel

Zu erreichende Kompetenz: Geräuschloses Ausschalten von Feindelementen

Dienstgrad bei erfolgreichem Absch(l)uss: "Stabs"-Gefreiter



 
Die Meute vor dem Flachbildschirm
Basics: Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen, seien vorher nochmal kurz die Grundlagen der kommenden nächtlichen Initiation geklärt: 

1.) Obwohl mittlerweile auch König Fußball immer mehr zum geschlechterneutralen Phänomen avanciert, gestalten sich die entsprechenden Unterhaltungsprogramme in den einschlägigen Eckkneipen eher als reiner Herrenabend. Gegengeschlechtliche Sexualobjekte werden Sie binnen der wichtigen 90 Minuten kaum finden, jedenfalls nicht im menstruationsfähigen Alter. Alles was hier um diese Uhrzeit nicht im stehen pinkelt, wird allenfalls von sexuellen Katastrophen-Touristen abgegriffen. Warum ausgerechnet in solch männerdominierten und an ansprechbaren Damen armen Runden der Homophobie exzessiv gefrönt wird, bleibt im Sinne der gerade hier nötigen geregelten genitalen Entladung wohl ein ewiges Rätsel. Trotzdem müssen sie sich diesen Gegebenheiten zunächst anpassen und warten, bis wie üblich nach Abpfiff des Top-Spiels die erste und diskussionslos als Frau zu identifizierende Person den Raum betritt. 

2.)  Bis dahin ist  es aber noch ein weiter Weg und es gilt nun, sich dem Sie misstrauisch beäugenden Macho-Mob als charakterlich einwandfrei und zutrauenswert zu präsentieren. Sie sind der Neue im Laden, also liegt die Bringschuld bei Ihnen, sich als Kollege und nicht als Rivale zu bewähren. Schließlich hilft eine weitgehende Fraternisierung mit der Testosteron-Meute auch das anschließende Rennen um die zahlenmäßig ausgedünnte Weiberschar von der Pole-Position aus anzugehen und sich nicht mit missgünstigen Neidern zu beharken. Ziel ist also ein Kneipen-Konsens, der sie beim späteren Ansprechen der Damenwelt gewähren lässt und ineinander krachende Geweihe verhindert. Frei nach dem Motto: „Ach lass den mal, der ist in Ordnung.“ Und genau da liegt auch der ziemlich dicke Hund des heutigen Abends begraben: Einerseits gilt es die Männerschar durch ungezügelt zur Schau gestellten Sexismus zu begeistern, andererseits muss bei Eintritt der ersten Frau blitzschnell umgeschaltet und der miefige Geruch des gepflegten Machotums unauffällig wegdeodoriert werden. 

3.)  Besonders Wichtig: Denken Sie an die hygienischen Rahmenbedingungen ! Hätte der Herr hinterm Zapfhahn Ahnung von der Gastronomie, stünde an der heute zu betretenden Stelle ein Gourmet-Tempel und keine Saufkrippe für Bundesliga-Proleten. Zudem zieht der Lizenzvertreiber der Fussball-Übertragungsrechte dem ganzen Laden in monetärer Hinsicht so dermaßen die Schuhe aus, dass eben an anderer Stelle gespart werden muss: Das angeschlagene Marken-Bier ist entweder durch eine Billigbrause substituiert oder ebenso verlängert wie das Halbfinale 2006 gegen Italien (und mit ebenso tragischem Ausgang im Empfinden). Das die Leitungen der ehrenwerten Pils-Maschine zumindest gegen Weihnachten mal mit einem Schuss Spüli entschimmelt werden könnten, hat der Besitzer dieser zur Hochzeit des Kalten Krieges eröffneten Schenke stets als kommunistische Feindpropaganda abgetan. Ganz schlimm erwartet es Sie aber bei der Festnahrung. Traditionell werden in einer standesgemäßen Kicker-Pinte im Pott drei Gerichte auf der Kreidetafel kredenzt: „Brat“, „Frikadüse“ und „Erbsensuppe“. Klingt im ersten Moment herrlich bodenständig und einladend. Ist aber nach dem ersten Bissen nur noch als kulinarische Kriegserklärung zu verstehen: Die „Brat“ hat offenbar keinen einheitlichen Garungsprozess genossen und labbert gedankenlos vor sich hin. Der linksseitig aufgetragene Senf sieht aus wie ein kranker Hundeschiss, während rechts der Ketchup an eine die Wechseljahre ankündigende Menstruation erinnert. Die Frikadüse wäre bei Verfütterung an den unter der Theke liegenden Kneipen-Köter wohl als lupenreine BARF-Nahrung zu kategorisieren. Und dann noch die gute alte Erbensuppe: Die hier gereichte Version hätte im 30-Jährigen Krieg umstandslos als "Schwedischer Trunk" eingesetzt werden können und wird im Laufe des Abends noch eine höhere Durchfallquote erzeugen als ein von der NPD erdachter Einbürgerungstest für eine Gruppe schwuler behinderter Neger jüdischen Glaubens. Freuen Sie sich, dass der ganze Laden vom intensiven Wunsch beseelt ist, sich die Plörre eimerweise hochkant in die Verdauungskammer zu kippen. Sie selbst aber müssen die Aufnahme all diesen Zeugs UNBEDINGT vermeiden. Die Nase ist bei Frauen im Flirtbetrieb eine der wichtigsten Gerichtsbarkeiten, weswegen der Ausgang des Abends auch maßgeblich von einer intakten Darmflora Ihrerseits abhängt. 

Der Tresen: Hauptkampflinie der heutigen Übung
Ran an den Feind: Die Uhr schlägt der Stunden Fünfzehn und es wird Zeit, die ausgesuchte Lokalität zu betreten. Irritierte Blicke erwarten Sie nun. Sie sind neu hier und damit den Alteingessenen prinzipiell schon mal für jede Schadtat zwischen einfachem Taschendiebstahl bis hin zur organisierten Pädophilie verdächtig. Ein freundliches „Tach zusammen“ gehört nun zu den angesagten Pflichten der Höflichkeit, wird aber nur die ebenso obligatorische Rückantwort im mürrischen Unterton zur Folge haben. Also direkt an den Tresen. Bestellen Sie jetzt auf keinen Fall mündlich ein Bier, sondern setzen Sie auf nonverbale männliche Kommunikation in Verbindung mit  einladendem Gönnertum ! Heißt:  Kurz den Zeigefinger heben, dann nach vorne strecken, ohne Einsatz des Armes nach links und rechts gleiten lassen, dabei leicht verschmitzt die Lippen zusammenpressen und kurz warten. Damit haben Sie nun für alle am Brett versammelten Personen jeweils ein Pils plus Körnchen geordert. Der Fachterminus für diese Getränkekombination nennt sich übrigens „Herrengedeck“ und muss zwingend in Ihrem Vokabelheft stehen, denn jedwede abweichende Bezeichnung wäre offen zur Schau getragene Impertinenz und so überflüssig wie ein Fußballer mit Platzangst. 

Die verfinsterten Mienen der Alteingesessenen werden nun fürs erste auf neutral geschaltet. Der Einstieg ist geschafft. In den jetzt auch Sie mit einbeziehenden Fachgesprächen zählt vor allem eines: grenzenloser Pessimismus. Nur so erobern Sie die hier versammelten Männer-Herzen im Sturm. Verteilen Sie deshalb diesbezügliche Allgemeinplätze so großzügig wie der Pastor die Oblaten bei der Eucharistie: Das der eigenen Mannschaft heute so eingeschenkt wird wie dem Kneipenvollsten, ist nicht zu bezweifeln. Der vor seiner Transferierung als großindustrieller Torfabrikant angekündigte XY-inho spielt wie die eigene Oma und sollte lieber wieder Gazellen im heimatlichen Busch jagen, Schiedsrichter Dudeldadel pfeift eh immer für den Gegner und das eigene Team spielt bereits seit geraumer Zeit gegen den Trainer. Was nun während der kommenden Anderthalb Stunden auf der Mattscheibe passiert, darf dabei ihr grundsätzliches Weltbild in keinster Weise erschüttern. Selbst wenn das eigene Team zur Halbzeit mit 5:0 führt: Alles ist irgendwie Scheiße. Aber genug des Sports, denn im Prinzip ist niemand wegen Fußball hier: Gegen Ende der Live-Übertragung beginnt die Nachberichterstattung, und die rafft aufgrund der mittlerweile von Ihnen gesponsorten zwanzigsten Lokalrunde und der herumzirkulierenden Wodkaflasche aus hauseigener Brennung eh keine Sau mehr. Nun gilt es, im Sinne der angedachten Verbrüderung mit den anwesenden Gestalten einzugrätschen. Bedenken Sie, dass die vereinzelten Alkohol-Phlegmatiker sich bereits an den Tresen zurückgezogen haben. Alle trotz des Pegels sich noch auf den Beinen haltenden Figuren stehen hingegen kurz vor der geistigen Insolvenz, entwickeln langsam libidinöse Empfindungen bis hin zur sexuellen Aggression und lechzen nach standesgemäßer Kanalisierung !

Mission accomplished: Der Feind liegt im Staub
Um der bierseeligen Runde trotz ihrer ausschweifenden Männerdominanz einen bi-geschlechtlichen Anstrich zu verleihen, ist das Abspielen eines schönen Gonzo-Pornos nun dringend angeraten. Zögern Sie nicht, eine DVD hochzuhalten und diese dem bierbäuchigen Fernbedienungsverwalter augenzwinkernd in die Hand zu drücken mit dem Hinweis: „Scheiß auf das Gesülze, ich hab nen amtlichen Ruckelwestern am Start“. Achten Sie hierbei aber auf unbedingte Qualität: Selbst der absolut bibelgeeichte Gemeindepfarrer muss in den nächsten Minuten sein sexuelles lucrum intervallum erleben. Zwei unermessliche Vorteile ergeben sich aus diesem initiierten Programumschwenk: Schlagartig ist jetzt in virtueller Weise auch die kollektiv vermisste Frauenseite in der Kneipe präsent gemacht, während Sie sich als „echter Kerl mit Herz am rechten Fleck“ gebärden können. Ist dieses Fundament erst einmal gelegt, halten Sie auch schon unter großen Begeisterungsstürmen den ersten Gratis-Kelch pilsener Brauart in der Hand. Nun heißt es aber zumindest metaphorisch am Ball zu bleiben: Im weiter befeuerten Aggregatszustand der allgemeinen sexuellen Erregung darf Ihnen kein Spruch zu anspruchslos sein ! Droppen Sie unaufhörlich Sätze wie „Angezogen kann ich meine Freundin nicht ernst nehmen“, oder verweisen Sie per Fingerzeig auf die am Bildschirm der Ars Amandi verpflichteten Dame und geben Sie zu verstehen, sich „die Alte auch mal übern Pisser ziehen“ zu wollen. Machen Sie explizit klar, das Termini wie Treue, Liebe und Zärtlichkeit für Sie nur im grammatikalischen Modus des Konjunktivs bestehen. Ebenfalls bietet es sich an, gelungene Akrobatiken Ihres Videos mit offensiven Beckenbewegungen und synchronisierten „Bämm, Bämm, Bämm“-Rufen zu kommentieren. Unzählige Schulterklopfer und verschwitzte Umarmungen unter echten Männern werden Ihnen gewiss sein. Phase 1 ist damit erfolgreich gemeistert: Allen potentiellen Rivalen wurde ausreichend Sand in die Augen gestreut und das Missionsziel gekonnt verschleiert.


Einsatz im Gefecht: Ab halb Sechs ist dann allerdings ein blitzschneller kognitiver Stellungswechsel Ihrerseits angezeigt. Zwei VertreterInnen der Damenwelt betreten kurz nach Abpfiff wie immer pünktlich und schüchtern die Klause. Trotz dieser anfänglichen Verkrampftheit gilt die eherne Faustregel: Wer sich als Frau in diesen Testosteron-Tempel reintraut, kommt nicht zum Rosenkranzgebet. Allerdings ist die bisher geschaffene Grundstimmung Segen und Fluch zugleich. Einerseits sind die abgefüllten Konkurrenten für die weitere Abendgestaltung aus dem Felde geschlagen: Der hastig das Programm umschwenkende Wirt ist schließlich trotz uneingeschränkter Zapfhoheit auch mit unzähligen Freigetränken nicht mehr für die neuen Gäste als Paarungsgeselle im Geschäft, weil als Lustmolch stigmatisiert. Die umstehenden Jungs könnten mit ihrem anschaulich in Prozent darstellbaren Blutalkoholwert und der damit einhergehenden biergestützten Standheizung problemlos bei Ostfrontwetter auflaufen. Für ausgebuffte Balzrituale eignet sich eine solche Körper-Konstitution allerdings freilich wenig. Andererseits sorgen gemeinschaftlich im Hinterraum vomitierende Trunkenbolde und die ersten sanft entschlafenen Konsumenten des Theken-Sortiments für berechtigte Zweifel der Damen am gesamten Etablissement samt Insassen. Diesen Umstand müssen Sie nun aber akzeptieren und zu überspielen versuchen, da Weckaktionen bei den Koma-Patienten zu diesem Zeitpunkt ungefähr so charmante Reaktionen heraufbeschwören würden, wie es weiland ein unangekündigter Genital-Vollspann bei Klaus Kinski vermocht hätte. 

Beste Evaluation einer gewonnenen Schlacht: Der Blick ins feindliche Lazarett
Die noch verbliebenen Kandidaten scharren sich nun um den neu besetzten Tresen wie eine Horde katholischer Würdenträger auf Entzug um die frisch eingetroffenen Ministranten, während der Wirt zur akustischen Untermalung eine vergilbte Klangtapete  aus moralisch anrüchigem Schlager und Klangschalen-Musik in den Raum legt. Doch selbst das restliche Teilnehmerfeld beginnt sich zusehends zu lichten: Die eingangs erwähnte Erbsensuppe fängt an sich langsam aber sicher durch die Verdauungstrakte ihrer Abnehmer zu arbeiten und diktiert bei allen noch Anwesenden sukzessive den unauffälligen Abzug vom Gefechtsfeld. In ihrem schwankenden Zustand lediglich von masturbatorischer Intention getragen, versucht diese Gruppe jetzt unter permanenten Salutschüssen unfallfrei und zeitnah das Örtliche zu erreichen. 

Das war es eigentlich schon. Die Strasse ist gepflastert, und ihr Eintritt ins abendliche Konkubinat mangels Gegner gesichert. Da allerdings heute Abend auf der hier verlegten Erotik-Autobahn kein Triolenverkehr zu erwarten ist, sind jetzt einfach nur die Kompetenzen aus Lektion 1 relevant: Finden Sie heraus, welche der beiden Damen die Position der „Flüsterin“ bekleidet und handeln Sie entsprechend. Ein, zwei Getränke, kurzes Gespräch, dann der Gang auf die Toilette für die Urteilsfindung. An diesem Ort angekommen, sollten Sie sich allerdings nicht vom Elend der geschlagenen Feinde irritieren lassen. Dieser Anblick ähnelt dem eines Lazarett-Besuches nach erfolgreicher Kesselschlacht. Die Verwundeten hier mussten sich schließlich aufgrund ihres selbstverschuldeten Schicksals der ausufernden Onanie hingeben, wobei aufgrund der alkoholbedingten Einschränkung ihrer motorischen Möglichkeiten und der begleitenden Schnappatmung das dort stattfindende Anlegen der Hand an den eigenen Körper eher der Selbstkasteiung schiitischer Passionsspiele ähnelt, denn an freudvolle Autoerotik erinnert. Aber egal, träufeln Sie sich noch ein wenig flüssiges Cannabisextrakt auf das Einsatzgerät, denn THC zieht ja bekanntlich alles in die Länge. Anschließend wieder raus an die Front: Zeigen Sie der Zielperson, wie in der Fußballkneipe eine ordentliche Direktabnahme auszusehen hat und fahren Sie das Rennen unter Bezug der in Lektion 1 gelernten Kompetenzen in der 18 Uhr-Stellung nach Hause.

Samstag, 3. März 2012

Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 1


Von der Theorie in die Praxis
Sie sind bekennender Sexist, aber haben bisher noch keinen wirklichen Weg für sich gefunden, Ihrer Leidenschaft entsprechend nachzugehen ? Im Zeitalter von Gleichberechtigung und kinderwagen-schiebenden Männern fühlen Sie sich gehemmt, Ihrem kleinen Freund den verdienten Auslauf zu gewähren ? Sie wollen endlich mal abfeuern, wie weiland der Kapitän der „Schleswig-Holstein“ an der Danziger Westerplatte ? Da können wir gerne Abhilfe schaffen ! In den kommenden Wochen werden wir an dieser Stelle eine kleine Hilfestellung geben, wie Sie sich endlich erotisch entfalten und Ihren anthropologischen Grundbedürfnissen Rechnung tragen können. So kümmert sich die folgende Serie um das leibliche (und gegebenenfalls auch weibliche) Wohl und geht dabei inhaltlich wie sprachlich knapp unter die Gürtellinie. Um Ihrer testosterongeschwängerten Weltanschauung gerecht zu werden, haben wir einen hierarchischen Hindernisparcours entwickelt, der mit einer lockeren Aufwärmübung anfängt und sich anschließend von Mal zu Mal im Schwierigkeitsgrad immer weiter steigert. Die zu bewältigenden erotischen Abenteuer sind dabei an eine der Bundeswehr nicht unähnliche Laufbahnstruktur angelehnt und bauen kontinuierlich aufeinander auf. Seien Sie versichert: Nach bestandenem Abschluss unseres Lehrgangs werden sogar Sie kleiner zwanghafter Onaneur in einen Zustand versetzt werden, der Ihnen selbst im Vatikan während der Christmette den Geschlechtsakt garantiert.

 
Laufbahn-Modell zur ordnungsgemäßen Triebabfuhr, Teil 1

Heute: Die Vereidigung

Einsatzgebiet: Besuch der Ü-30-Party „Das beste aus den 70ern, 80ern und die Hits von Heute (Mit Discjockey Jürgen vom Lokalradio)“

Zu erreichende Kompetenz: Verständnis von Grundlagen der zwischengeschlechtlichen Kommunikation und weiblicher Funktionsweise auf basaler Ebene

Dienstgrad bei erfolgreichem Absch(l)uss: Genital-Gefreiter



Basics: Bevor wir uns ins Abenteuer stürzen, seihen vorher nochmal kurz die Grundlagen der kommenden nächtlichen Initiation geklärt: 

1.) Zum Thema Kleiderordnung und phänotypischer Ausprägung der Gästeschar einer Ü-30-Party sollten wohl bereits alle relevanten Bemerkungen hinreichend abgefrühstückt sein. Und ja: Es handelt sich bei allen bisher vernommenen Geschichten nicht um Mythenbildung, Vorurteile oder Klischees, sondern um die verifizierte Faktenlage nach streng empirischer Forschung. Vergessen wir aber diesen ganzen Schönheits-Scheiß. Wer bisher Kaviar nur aus dem Kochbuch kennt, der weiß zu Anfang auch mal einen soliden Erbseneintopf zu schätzen. Also stellen Sie sich ruhig mit an die von Rubensbräuten und solariums-gegerbten Wasserstoffblondinen bevölkerten Stehtische. Doch Obacht; es lauert zumindest eine optische Gefahr, bei der sich selbst der sexuell Einäugige sehnsüchtig den Grauen Star herbeiwünscht: Die intime Rasur-Revolution fand in aller Regel NACH der sexuellen Sozialisation der anwesenden Damenschar statt. Wer also in dieser Altersgruppe offiziell dem weiblichen Geschlecht zugerechnet wird, ist prinzipiell schon mal des Genital-Chinchillas im höchsten Maße verdächtigt. Richtig haarig wird es allerdings, wenn das ausgesuchte Objekt der fleischlichen Begierde den obligatorischen Balztanz zu Klängen aus Nenas Diskographie abreißt. Wenn Sie wirklich nur das glauben wollen, was Sie auch tatsächlich sehen können, sollten Sie bei solchen Damen zwecks prä-koitaler Schlagrodung im Beckenbereich Ihre Streitaxt mitbringen. Wer es hingegen flauschig mag, dem sei der Einsatz eines Vertikutierers anempfohlen.

Der Ort der körperlichen Begegnung
2.) Wer mit der Umsonst-Mentalität des Internets vertraut ist, wird an dieser Stelle keine großen kulturellen Grundsatzkonflikte austragen müssen: Im Prinzip läuft die Struktur der Kopulation hier in etwa so ab wie in der Ihnen bereits bestens bekannten Bretterbude kurz hinterm Ortsausgangsschild. Nur eben, dass die Klimax der Nacht nicht in mit Plüschtieren versehenen Himmelbetten ihren Austragungsort findet, sondern auf dem Rücksitz Ihres auf dem Schotter-Parkplatz stehenden Opels. Konkret gesprochen also das gleiche wie bei Open-Office: Die Basics sind denen vom völlig überteuerten Word recht ähnlich, es gibt lediglich ein paar Abstriche in der Handhabung zu verkraften, dafür ist es aber schnell besorgt und völlig kostenlos.

3.) Für die genaue Erfolgsberechnung zur Abendgestaltung braucht es nur einen kurzen Blick auf die folgenden Parameter: 

- Sie haben zumindest Geld am Mann für eine handvoll Getränke-Chips

- Sie haben kein Übergewicht oder können dieses Manko durch eine zweite handvoll Getränke-Chips kompensieren

- Sie zählen nicht zur relevanten Zielgruppe des ZDF-Abendprogramms oder können dieses Manko durch eine dritte handvoll Getränke-Chips kompensieren

- Der Zeitraum Ihrer letzten rituellen Waschung lässt sich noch glaubhaft in Wochen beziffern oder Sie sind der fachmännischen Desodorierung firm (Hier nützt auch eine Sackladung Korn-Cola-Coins als Ausgleich nichts mehr)

Sollten Sie hinter mindestens einem der vorangegangenen Punkte einen Haken gesetzt haben, sind sie quasi zum Geschlechtsakt verdammt. Wer in diesem Etablissement wirklich noch ab halb drei sehnsüchtig auf seinen Valentin wartet, der wird üblicherweise im regulären Diskobetrieb nur noch von Zoophilisten angesprochen. Scheitern Sie also selbst bei dieser Zielgruppe, wird wohl auch ein Besuch im abgeranzten Saunaclub des Nachbarortes trotz prall gefülltem Portmonee und Beinkleid ergebnislos verlaufen.  

Signifikante Person: Die Flüsterin
Ran an den Feind: Damit haben Sie alle basalen Informationen beisammen, also ab auf den Floor. Eiserne Regel: Den Laden erst nach 2 Uhr betreten. Ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt verlassen die glücklich verheirateten und nur an Tanz und Schnack interessierten Damen das Parkett, um sich im elfenbeinfarbenen Untertürkheimer nach Hause eskortieren zu lassen. Jeder Smalltalk mit femininen Gästen ist somit ab diesem Zeitpunkt ein direktes Vorstellungsgespräch oder eine Herstellung von Kontakten zu eben jenen. Denn das jetzt noch anwesende Weibsvolk spaltet sich in exakt zwei Lager: Die zwingend paarungswilligen Mädels und die zurückhaltenden, aber bei der Auswahl behilflichen besten Freundinnen. Letzteren sollte zunächst Ihre volle Aufmerksamkeit gelten, denn hierbei handelt es sich um die sogenannten „Flüsterinnen“: Obwohl nicht am Austausch von Körpersäften interessiert, steuern sie mit ihrer Meinung maßgeblich die Urteilsfindung ihrer notgeilen Gefährtinnen. Sobald Sie also nach einer dialogischen Einstiegsphase kurz auf den sanitären Anlagen sich des Bieres entledigen und amtlich entgasen, beratschlagen die beiden darüber, ob Sie das Prädikat „süß“, „Arschloch“ oder den ultimativen Killer "nett" erhalten. Klingt reichlich dämlich, ist aber Part of the Game. Haben Sie der Flüsterin vor dieser Urteilsphase durch einen sinnfreien Spruch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert oder sich beim Prosecco-Kauf als nicht allzu knickerig erwiesen, ist dies häufig schon die halbe Spreize bei der eigentlichen Zielperson. 


Verstehen Sie den Gang zu den Aborten sinnvoll zu nutzen !
Aber gut, Sie sind zurück vom Pott und es geht in die heiße Phase. Die Flüsterin hat sich derweil an die Theke verzogen. Dieses Zeichen sollten Sie zu deuten wissen. Jetzt heißt es, die Initiative zu ergreifen ! Gebärden Sie sich als van Gaal-sches Feierbiest. Auch wenn der auf solchen Feten abgespielte akustische Sondermüll in ihren Ohren klingt wie eine Stalin-Orgel für den Wehrmachts-Landser: Jeder Song muss nun von Ihnen beklatscht werden wie der Fall der Mauer. Textsicher sind Sie sowieso, denn den Refrain hat man sich eh nach dem ersten Halbsatz draufgeschafft. Die auditive Ummalung spielt hier übrigens eine bedeutende Komponente, ist schließlich jedes Lied mit lasziven Anzüglichkeiten überfrachtet  („10 nackte Frisösen“, „Du hast so schöne Hupen“ etc.) und eignet sich bestens als atmosphärischer Schlüpferstürmer. Haben Sie eigentlich schon erzählt, was Sie so treiben im Leben ? Am besten irgendwas mit Handwerk !!! Das klingt nach feste anfassen und Sie bleiben so komfortabel im Kontext der angesprochenen musikalischen Darrreichung mit pseudo-erotischem Anstrich. Schließlich kann so im weiteren Gespräch mit sehr hilfreichem Vokabular hantiert werden: Mit spitzbübischem Lächeln eingestreute Begriffe wie „Glattrohr“, „Heizstab“ oder „ordentlich Speis in die Ritze“ machen dem Konterpart klar, wo die Reise heute Nacht hingehen soll. Selbst einen Straßenkehrer kann man hier mit praktikabler Sozialerotik versehen („Ich weiß schon, wie man mit nem großen Stiel umgeht und anschließend ordentlich bürstet..). „Und so hobbymäßig ?“ Zack, sofort den per Rapidshare gesaugten Mitgliedsausweis der Freiwilligen Feuerwehr rausgeholt. Allein schon wegen den möglichen Hinweisen auf den dicken Schlauch und die funktionstüchtige Spritze. Dahinter kleben dann unauffällig das mit Paint zusammengeschusterte und sauber einlaminierte Entree-Billet zu „Europas größter Kegelparty“ und der fotogeshoppte Bild-Beweis, dass Sie mal irgendwo zwischen Axel Fischer und Mickie Krause gestanden haben. Selbstverständlich von beiden handsigniert und mit dem Hinweis: „Wie immer geile Party mit dir“. Spätestens in diesem Moment ist die Dame Ihnen genetisch bedingt ausgeliefert und Sie können die nächste Phase zünden. 

Bringen Sie Ihre Kanione gezielt in Stellung !
Einsatz im Gefecht: Peitschen Sie sich nun ruhig mit wolllüstigen Phantasien im Stile altrömischer Orgien auf. Stellen Sie sich so plastisch wie möglich vor, wie Sie mit der werten Gesprächspartnerin jetzt und hier auf dem Barhocker die „Budapester Beinschere“ vollziehen oder gemeinsam unter Einbeziehung der Stützkraft des Pissoirs den verwirrten Toilettengängern die „Hängende Fledermaus“ präsentieren. Garnieren Sie Ihre diesbezüglichen Gedanken mit etwas Obst oder den herumstehenden Knabberstangen und denken sie dabei über alternative Zufuhrwege der Nahrungsaufnahme nach. Warum nicht die sekundären Geschlechtsmerkmale der Dame auch noch zeitgleich mit der eben erworbenen Pizza einreiben und anschließend ihr den Teiglappen auf das blanke Heck knallen ? Scheuen Sie sich keineswegs, diesen abgrundtief albernen Faden immer weiter zu spinnen und dann auch entsprechend zu kommunizieren: Was in anderen Etablissements selbst im Anfangsstadium nichts als ein feuchter Männertraum wäre und bei Äußerung die postwendende Handkante zur Folge hätte, besitzt auf der Ü-30-Disko sogar in seiner komplexesten Primitivität absolute Frontreife. Deshalb keine Sorge: Das Niveau hängt bereits seit geraumer Zeit aufgrund der gesamten Veranstaltung kotzend über dem Porzellan-Bottich, und die zu später Stunde noch anwesenden Mädels sind hier genauso verludert wie in den „St.Pauli-Nachrichten“ immer dargestellt ! 

Den restlichen Ablauf des Abends überlassen wir Ihnen, denn alles was jetzt kommt ist ein reiner Selbstläufer. Testen Sie sich ruhig aus. Wie eingangs erwähnt wird alles auf die Rückbank Ihres Autos hinauslaufen. Entfernen Sie also vorher die hier versammelten Hundehaare, ansonsten wird die vermutlich notwendige Depilation der Beute kaum mit Argumenten zu unterfüttern sein. Aber auch diesen Part können Sie an dieser Stelle sportlich angehen: Haben nicht die indigenen Urvölker Amerikas als Zeichen eines siegreichen Feldzuges stets einen Skalp mit ins heimische Zelt gebracht ? Was dem teutonischen Waidmann sein Geweih am Kamin, ist Ihnen eben nun die Beckentolle Ihrer Gespielin über dem Plasma-Screen. Gut gebürstet werden Ihre Freunde nach dem ersten Schauder respektvoll zu Ihnen aufschauen !

Das erste Level unseres lasziven Hürdenlaufes haben Sie also mit Bravur gemeistert. Freuen Sie sich dann auf übermorgen, wenn wir den Schwierigkeitsgrad erhöhen und sich die ersten Schwierigkeiten auftun.