Donnerstag, 26. September 2013

Promi-Duell Teil 1: Wu Tang Clan vs. Nationalsozialisten

Wir beginnen unsere neue Erfolgsserie mit dem Vergleich zweier Gruppierungen, die der Soziologe beidseitig mit "Angry Young Men" umschreiben würde, während sie beim gemeinen Rezensenten für künstlerischen Output unter der Rubrik "kranker Scheiß" laufen. Auf der einen Seite ein Kollektiv junger Schwarzer, das sich Anfang der 90er Jahre aufmachte, frischen Wind in die Hip-Hop Welt zu blasen, auf der anderen Seite ein Ensemble junger Brauner, welches Anfang der 20er Jahre die Politikszene nachhaltig aufmischte.


Der kometenhafte Aufstieg beider Bewegungen fusste dabei auf zwei Säulen: Zum einen die vorab gegebenen, von weiten Teilen der potentiellen Fans als unerträglich betrachteten Umstände (Versailler Vertrag hier, MC Hammer da), zum anderen der brotlose Buckelgang der Anfangsjahre durch abgerissene Live-Clubs (Jugendzentrum hier vs. Bürgerbräukeller da), in denen die True-Fans der ersten Stunde in kollektive Ekstase versetzt wurden. Sowohl der Künstlerkreis braun als auch der Künstlerkreis schwarz bediente sich für die jeweilige Corporate Identity umfangreich im kulturellen Fundus Ostasiens (Buddhistisches Glückssymbol hier, chinesische Kampfkunst dort). Ebenso gleichermaßen findet sich auch die pessimistische Zustandsbeschreibung im jeweiligen zeitgenössischen Ghetto wieder (hier Staten Island, dort Deutschland), in das man scheinbar unwiderruflich eingepfercht war und aus dem man nichtsdestotrotz alsbald auszubrechen versuchte, um mittles eines epochalen und so nie dagewesenen Siegeszuges in unbekannten Ländern und auf fremden Kontinenten Fuß zu fassen.

Geschichte wiederholt sich scheinbar also doch. Trotzdem lohnt aber bei allen unbestreitbaren Parallelen eine genauere Betrachtung der beiden Organisationen, da doch ab und an gewisse Nuancen und feine Trennlinien beim Vergleich der jeweiligen schöpferischen Kreationen erkennbar sind. Schärfen wir also einmal den vertieften Blick, um mit Hilfe des Vergleichs den Mythos der Unterschiedslosigkeit zu entlarven:

Wu Tang Clan

Geographisches Epizentrum: New York Staten Island (Eigene Bezeichnung "Shaolin")

Nachfolgeorganisationen: D12, G-Unit, Odd Future

Crewmember: RZA (Leader), GZA (aka "The Genius"), Method Man (aka "Mr. Meth"), Ghostface Killah (aka "Ironman"), Inspectah Deck (aka "Rebel INS"), U-God (aka "4-Bar Killer"), Raekwon (aka "The Chef"), Masta Killa (aka "High Chief"), Ol’ Dirty Bastard (frühzeitig verstorben), Cappadonna (nicht permanentes Mitglied)


Nationalsozialisten

Geographisches Epizentrum: München (Eigene Bezeichnung "Hauptstadt der Bewegung")

Nachfolgeorganisationen: NPD, DVU, CSU

Crewmember: Hitler (Leader), Goebbels (aka "Klumpfuß-Killah“), Göring (aka "Ol´Fat Bastard"), Bormann (aka "KZA"), Himmler (aka „Genocide-Method Man“), Mengele (aka "Da Real Masta Killa"), von Braun (aka "RocketOne"), Röhm (frühzeitig verstorben), Heß (nicht permanentes Mitglied)



Thematische Überschneidungen allerorten 
Ideologisches Führungskonzept

Beim ersten Hinsehen fällt auf, dass die Grundstrategien beider Lager wiederum recht ähnlich konzipiert sind. Im Falle der Wus weist Wikipedia folgende Richtung zur Erlangung der Weltherrschaft aus:

"RZA begann die Gründung des Wu-Tang Clans mit einem „Fünfjahresplan“: Er versprach den Gruppenmitgliedern, dass sie innerhalb von 5 Jahren die Hip-Hop-Welt erobern würden, wenn er die absolute Kontrolle über den künstlerischen Output der Gruppenmitgliedern hatte." (Quelle)

Ein Konzept, dass dem ein oder anderen von uns mit kleinen Abwandlungen schon im Geschichtsunterricht erschienen sein dürfte. Schließlich spielt die Paraphrase des allseits bekannten Vierjahresplans seitens der Hitler-Combo die nahezu gleiche Melodie. Nur haben diese ihr Grundsatz-Programm bereits etliche Jahrzehnte vorher in die Tastatur georgelt.

Erster Punkt nach München also ? Nunja, streng genommen haben wir es in diesem Fall nicht mit einem billigen Faksimile seitens Wu-Tang-Führer RZA zu tun, sondern können ohne große Kopfschmerzen die Nummer als gelungenes Update durchwinken. Schließlich studiert er während seines langjährigen Hausarrestes offensichtlich die eklatanten Fehler des germanischen Pendants: Zum einen übt RZA sich mit dem zugefügten fünften Jahr in der nötigen Geduld, die so ein Griff nach der Weltherrschaft nun einmal verlangt (während die Nazis ihren zweimal verlängern müssen), zum anderen ist er schlau genug, die Administration und Ausführung eben jenes Manuskriptes nicht in die Hände von Drogenjunkies a la Ol`Dirty Bastard zu legen, während der GröFaZ seine Koksnutte Hermann Göring zum „Beauftragten für den Vierjahresplan“ erhebt. Nochmal knapp die Kurve gekriegt also...

Ergebnis: Schwarz-Braun ist die Haselnuss, ergo Punkteteilung
Zwischenstand: Schwarz 0,5 : Braun 0,5

Langfristige Visionen und Beständigkeit

Hier endlich klare Verhältnisse: Die Rap-Combo arbeitet bei der Ausgabe der zukünftigen Losung mit deutlich mehr Mühe und agiert ungleich sportlicher. Denn während der Führer (braun) seiner Crowd ein "tausendjähriges Reich" in Aussicht stellt ("gähn"), gibt der Führer (schwarz) mit der Betitelung seines zweiten Albums gleich die Parole "forever" aus.

Ergebnis: Für immer schwarz !
Zwischenstand: schwarz 1,5 : braun 0,5

Bündnispartner Braun vs. Bündnispartner Schwarz
Auswahl der Kollaborationspartner

Ein wichtiger Aspekt bei der Betrachtung der Potenz einer Bewegung ist immer der ausgewählte Büchsenspanner an der eigenen Seite. Was wären die großen Stars der Weltgeschichte schließlich ohne ihre kongenialen Kompagnons (vgl. Siegfried & Roy, H & M, Trinidad & Tobago etc.)? Legen wir also die beiden Kandidatenpärchen einmal diesbezüglich in den Schacht unseres analytischen Reagenzglases und bewerten „Hitler feat. Mussolini“ sowie die „Wu Tang-Nas-Collaboration“:

Anspruch des Bündnispartners: Schon beim ersten, eher schwächer zu bewertendem Kriterium sticht Team schwarz das Team braun gehörig aus. Während der italienische Duce landauf landab lediglich mit einem regional begrenzten „neuen römischen Reich“ hausieren geht, und damit einer ziemlich regionalen Nummer verhaftet ist, setzt Nas seine Konjunktive deutlich globaler: „If i ruled the world“. Klingt nach objektivem Ermessen viel ambitionierter und daher bis hierhin klare Tendenz für die Shaolin-Boys.

Praktische Umsetzungen des Bündnispartners: Spätestens jetzt geht das Neger-Konglomerat gegenüber der Herrenrassen-Truppe endgültig auf All-In: Obwohl ihr Kollaborationspartner im Laufe seiner Karriere kurzfristig mal künstlerisch durchhängt, fängt Nas sich wieder und ist bis heute einer der respektierten Gestalten im Business, weshalb man hier getrost von einer stählernen „Achse Staten Island-Queens“ sprechen kann. Ganz anders Hitlers Wahl: Was sich bei Ankündigung nach vielversprechendem Zusammenspiel zweier kurz vor dem Durchbruch stehender Deluxe Artists anhört, endet schlußendlich im kompletten Desaster: Zunächst erweist sich Benito als zu feige, ins GröFaZ-Game einzusteigen (vgl. den legendären „Poland-Hijack 39“), dann vergeht kein vom römischen Homie initiierter Beef, bei dem Adolf seinem struggelnden Steigbügelhalter nicht zur Seite springen muss (vgl. den nicht minder legendären „Rommel-Rumble 41-43“). Daher nimmt es nicht Wunder, dass Mussolini im April 45 über kaum noch nennenswerte Street-Credibility verfügt und als ultimativen Bitchmove via Gazette unabgesprochen seinen Ausstieg aus dem Hood-Cypher bekannt geben lässt.

Ergebnis: Ganz klarer Punkt für New York
Zwischenstand: Schwarz 2,5 : Braun 0,5

"Bring da Rucus": Wernher von Braun und seine B-Boyz
Sexuelle Reinheit

Jede Bewegung mit universalem Anspruch versucht stets, den Kern der eigenen Truppe von schädlichen äußeren Einflüssen frei zu halten. Nicht umsonst wählte Edmund Stoibers für seine „durchrasst“-Rede den inoffiziellen Arbeitstitel „Keep our scene clean“. Und im buchstäblich engeren Sinne kommen wir deshalb nicht umhin, über Reinheitsgebote bei der Auswahl der Geschlechtspartner zu diskutieren. Hierbei können wir nun zwei sehr konträre Herangehensweisen begutachten:

Regelmäßige Besucher von Schützenfesten kennen den folgenden debilen Spruch, der einem auf solchen Bier-Biwaks ständig zugeprostet wird: „Hoch den Rock, rein den Flock“ soll einen lockeren Umgang beim Intimverkehr suggerieren und eigentlich auf diesem Wege einer der beiden Crews neue Homeboys zuführen. Aber nicht mit Adolf !!! In der Causa Ficken stellen die Nationalsozialisten auf dem Parteitag in Nürnberg ein treudeutsches Bürokratie-Monster auf die Beine, welches genau festlegt, wer mit wem zu vögeln hat oder nicht. Anhängend ein riesiger Apparat an Eugenik-Konzepten und unangemeldeten Hausbesuchen bei koitalem Fehlverhalten. Wer bitteschön will vor dem feierlichen Akt der körperlichen Begegnung einen verklausulierten Leitfaden in der Größenordnung des Berliner Telefonbuches lesen, nur um zu wissen, ob das örtliche Parteigremium nun mit dem dick schießen der Partnerin konform geht? Zu groß die Gefahr, dass die Lustgrotte der holden Maid nach Studium der Gesetztestexte und endgültig geklärter Rechtslage ebenso staubtrocken ist wie der Paragraphendschungel, durch den man sich soeben quälte...

Erfrischend eindeutig dagegen die Devise aus Staten Island: "Wu-Tang Clan Aint Nuthing Ta Fuck Wit". Zudem liegt die bezugnehmende Punchline "Shame on a Nigga" der Wus deutlich griffiger und weniger guttural auf der Zunge als beispielsweise der germanische Konterpart "Rassenschande am Ariertum" Nuff said !

Ergebnis: Alle Props für das RZA-Rudel. Und nebenbei die Falsifizierung von Gloria von Thurn und Taxis völkerkundlicher Analyse...
Zwischenstand: Schwarz 3,5 : Braun 0,5


Drive-By-Shootings

Die Paradedisziplin im Gangster-Millieu !!! Und endlich wieder ein klarer Punktgewinn für die Nazi-Truppe: Während seitens des Wu Tang Clans in Bezug auf diesen Masta-Move äußerst ungewöhnlicherweise keine nennenswerten Aktionen überliefert sind, labeln Adolf und Konsorten den doch recht sperrigen Begriff in „Blitzkrieg“ um. Und sie fahren sinngemäß sehr gut mit dieser Praxis (vgl. Polen 39, Skandinavien 40, Luxemburg 40, Holland 40, Belgien 40, Frankreich 40, Jugoslawien 41, Griechenland 41, Sowjetunion 41 [wegen Scheißwetter gecancelt]).

Ergebnis: Bähm Bähm King Adolf One O.G.
Zwischenstand: Schwarz 3,5 : Braun 1,5


Der Meister findet seinen Meister: Giganten-Duell am Mic
Flow am Mic

In diesem Bereich sind die Rhetorik-Spezialisten der jeweiligen Crews gefragt: Nazi-Chief-Shouter Joseph Goebbels vs. Wu-Head-Hater Ol´Dirty Bastard. Auf den ersten Blick ein Duell auf Augenhöhe, sind doch beide Meister ihres Faches, immer in der Lage, eine bockige Crowd mittles des entscheidenden Diss gegen irgendeine Minderheit noch rumzureißen und in Begeisterungsstürme ausbrechen zu lassen.

Sehr unbefriedigend im Falle Ol´Dirty Bastards ist allerdings die Tatsache, dass er in seinen Punchlines eher abstrakt bleibt, lediglich ein paar Zeilen abliefert und dann das Mic (fast schon sozialistisch) ohne große Umschweife an den nächsten herumchillenden Homie weiterreicht. Ganz anders auf diesem Gebiet Hitlers Bouncer des Vertrauens, welcher den Mainslogan seines schwarzen Konterparts ("Yeah Baby, i like it raw") inhaltlich absolut teilt, diesen aber viel bedeutungsschwangerer mit entsprechendem Leben füllt: Ein einfaches "Bitch Nigga, Shut da fuk up" ist ihm beileibe zu kurz gegriffen. Er faltet in liebevoller Detailarbeit genau aus, warum dieser oder jener Wanksta nun gefrontet werden muss, bietet dabei gleich mögliche Lösungskonzepte an, um schlussendlich straight mit einer einprägsamen Hook den ganzen Drop rund zu machen. Und nicht nur dass: Des Führers liebster Battle-MC bemisst seine Stage-Time anders als Ol´Dirty Bastard im Stundenbereich ! Nahezu end- wie mühelos freestyled er sich ohne Support vor einer deutlich größeren Crowd durchs Programm, bis auch der Letzte im Saal kopfnickend den gewollten Fame verteilt. Unvergessen der Sportpalast-Jam, bei dem der emotional überschäumende Pit nach Goebbels rhetorischer „Encore?“-Frage enthusiastisch minutenlang „We want more“ brüllt und danach unaufgefordert den größten musikalischen Hit des Clans (1. Strophe) smasht.

Ergebnis: Der totale Punkt den Braunen !
Zwischenstand: Schwarz 3,5 : Braun 2,5

Kleidung

Die Stylepunkte für die Garderobe gehen wiederum ebenso klar in die Staaten: Mit dem hauseigenen Label "Wu-Wear" etabliert die schwarze Combo ihr eigenes Modelabel, welches alsbald als standardisierter Festschmuck der Szene dient: Locker geschnittene Höschen im Relax-Fit, elegante Kopfbedeckungen, schnörkellose Shirts... Dress to impress auf ganzer Linie !

Konträr dazu Hitler & Friends und ihre Fascho-Fashion: Die eben verifizierte Überlegenheit im Shouter-Bereich ist wohl in nicht geringem Maße durch den eng angelegten Cut beim Beinkleid zu erklären: Kneift im Schritt und erzeugt Wut im Kopp. Den Regeln der Kausalität folgend ergo brülltechnisch absolut auf der Höhe, aber eben derbe scheiße im Aussehen. Kein wirklich gelungenes Gesamtkonzept... Doch es kommt noch viel schlimmer, wie der O-Ton des Nazi-Frontman Adolf Hitler bei seiner Reichtagsrede vom 1. September anlässlich des anstehenden Battles gegen die Polen-Combo anzeigt: "Ich habe damit wieder jenen Rock angezogen, der mir einst selbst der heiligste und teuerste war." LUPENREINES TUNTENBALLETT !

Ergebnis: Black is beautiful und High Five vom tapferen Schneiderlein
Zwischenstand: Schwarz 4,5 : Braun 2,5


Party and Bitches and Bitches and Party

RockStar-Attitüde

Ganz wichtiger Punkt: Wer Ruhm und Ehre seines Schaffens auf lange tragende Beine stellen will, der braucht kuriose Geschichten, an die man sich noch in Jahrzehnten erinnert. Die mythischen Interpreten des Rock´n´Roll hatten dies bereits früh erkannt und ergaben sich folgerichtig scharenweise in Promiskuität, mangelnder Hygiene, Drogenkonsum, Stinkefinger-Mentalität und sinnloser Zerstörung. Eine gesunde Portion der hierfür nötigen Aggressivität kann man sicherlich beiden zu untersuchenden Lagern unterstellen. Aber wie sieht die konkrete Ausgestaltung dabei aus?

Team Schwarz: Unbezahlte Telefonrechnungen im Hotel, wüste Schlägereien wegen einer geklauten Jacke, fußgängliche Überquerung der von Hitler gebauten "German Autobahn", existentielle Drohungen gegen den Tourmanager, exzessiver Drogenkonsum (Quelle): Die Jungs aus New York lassen bereits auf ihrer ersten Tour kaum etwas machbares liegen und steigern sich im Laufe ihrer Karriere so nachhaltig, dass es aus primär juristischen Beweggründen schwierig wird, tatsächlich mal die komplette Crew auf der Stage stehen zu sehen. In diesem Punkt werden die Hausaufgaben bei den Wu Tangs also weit über das geforderte Maß hinaus abgetragen.


Team Braun: Wer hier oberflächlich an die Thematik herantritt, der wird auf den ersten Blick nicht viel erwarten. Doch Obacht: Auch wenn z.B. Goebbels zunächst ja durch eine dezidierte Abneigung gegen allzu hedonistischen Hip-Hop-Lifestyle auffällt (Original-Zitat aus: Joseph Goebbels: Tagebücher, Band 1: 1924-1929, S. 159 "Moderne Musik. Oh, wieviel Kitsch dabei. Man kennt sich kaum noch aus in all diesen modernen Systemen von Viertelton und Sprechgesang"), hat er andersrum allerdings gegen Eskapaden in Richtung freie Liebe kaum etwas auszusetzen, selbst wenn ihm Damen des mosaischen Glaubensbekenntnisses unter die Ketten kommen (man lese sich weiter durch sein Tagebuch und staune...). Ähnlich der Rest im Glied: Beim Thema Drugs sind die Hustler-Skills von Göring ebenso legendär wie die von Axel Rose, was die Beatles in ihrer Hochphase an LSD und Esoterik in sich reinpumpten liegt Himmler von Geburt an im Blut, Hitler mufft Gerüchten zufolge aus dem Hals wie der Aal von Rocco Siffredi nach Drehschluß, während Heß lässig per Privatjet von A(ugsburg) nach B(ritannien) braust. Zudem: Die Verwüstung von Hotelzimmern haben die Nazis bereits lange vor den Rolling Stones erfunden, wie der Room-Riot beim Röhm-Putsch in der Pension "Hanselbauer" eindrucksvoll belegt. (Quelle)



Ergebnis: Knapper Vorteil Braun
Zwischenstand: Schwarz 4,5 : Braun 3,5


"Protect Ya Neck" ! Der Führer (braun) bastelt seine Rhymes

Humanismus und Sympathie 

Der letzte, alles entscheidende Punkt: Welche der beiden Combos atmet mehr den Geist Gandhis, besticht durch die Ideale der Aufklärung und bedingungslose Hilfsbereitschaft sowie grenzenlosen Altruismus. Wem würde man eher die eigenen pubertierenden Kinder ohne nennenswerte Bedenken wochenlang zu treuen Händen geben, wenn diese im sommerlichen Jugendfreizeit-Camp die pädagogische Betreuung übernähmen? Also wieder rein in den Vergleich unter Bezugnahme dieser Kriterien:

Fangen wir mal an mit Team Schwarz, und hier sieht es wirklich zappenduster aus: Der Wu Tang Clan ist eine Ansammlung egomanischer Arschlöcher, die zur Erlangung ihrer bescheuerten Ziele über Leichen gehen und bei knapper Kasse ihre eigenen Mütter verkaufen, sofern es der eigenen Karriere dient. Jeder Crewmember der Shaolin-Sippe hat eine amtliche Delle in der Bimmel, ist zerfressen von Habgier, Neid, Missgunst, Intoleranz, Hinterlistigkeit und verbringt den ganzen Tag mit dem Schmieden an neuen Hasstraktaten gegen irgendwelche Minderheiten. Ihre Aussagen strotzen nur so vor menschenfeindlichen Inhalten, ja ganze Bevölkerungsgruppen werden von den Wu Tangs als minderwertiges Material betrachtet. Ganz zu schweigen von der kriminellen Energie, die jedes einzelne Clanmitglied kübelweise mit sich trägt. Egal in welchen Winkel der Erde sie vorstoßen, sie hinterlassen stets eine Spur der rücksichtslosen Zerstörung...


Ergebnis: Der klarste Punkt für Schwarz
Amtliches Endergebnis: Schwarz 5,5 : Braun 3,5


Untergang für die Braunen: Der Wu Tang Clan geht in unserem ersten Promi-Duell als unbestreitbarer Sieger über die Ziellinie ! Kurz vor Ende witterten die Nazis nochmal ihre Chance auf einen Endsieg, wurden aber von RZA und Konsorten erfolgreich abgewehrt und können nur noch auf ein später erfolgendes Comeback hoffen (Sehen sie dazu in einer der kommenden Folgen "Promiduell XY: Seehofer und die Junge Union vs. ein Rudel Zwergpincher"). Grenzenloser "Triumph" also in Staten Island (Siehe Video):








Mittwoch, 27. März 2013

Nicht-Orte, Teil 1: Kallmerode

Wider die Lethargie und das Hinnehmen:
Kallmerode, Hauptdorf der Bewegung

 


Lang ist sie, die Liste großer und gelungener Revolutionen der Weltgeschichte. Sei es der Ami 1776 , der Franzmann 1789, der Russe im roten Oktober, der Ukrainer im orangenem Winter oder der Araber im grünen Frühling. Auffällig bei dieser stark verkürzten Aufzählung ist, dass mitteleuropäische Erhebungen eher spärlich gesät sind: 

Der Deutsche rebelliert nicht gern und wenn doch, dann nur höchst erfolglos oder mit starken Nebenwirkungen: Die Luther-Nummer hatte in letzter Konsequenz Käsmann zur Folge, die Kommunisten lieferten den Stoff zum Stricken der Dolchstoßlegende, Stauffenberg war nur der Einäugige unter den Blinden und lief sehenden Auges ins Verderben, die 68er vermachten uns als prägnantestes Erbe das Dosenpfand, der Mauerfall Merkel und Jogi blieb nach der Euro trotz Bild-Bambule Bundestrainer... Ganz zu schweigen vom "Wutbürger", der für einen medialen Wimpernschlag durch die Gazetten geisterte und weder die Erfüllung seiner Forderungen, noch respektable Opferzahlen oder Kollateralschäden aufweisen konnte.


Aber sind wir tatsächlich kollektiv unfähig zum siegreichen Barrikadenkampf ? Hat denn der kleine Mann wirklich nicht irgendwann mal den Mut, es "denen da oben" mal so richtig zu zeigen ? Oder ist der gemeine Deutsche auch hundert Jahre nach Heinrich Manns vortrefflicher literarischer Analyse immer noch ein Untertan ? Vermutlich ja, lehrt uns die Geschichte. Aber zumindest keimt bei uns langsam die Hoffnung auf, dass dieser Gendefekt im teutonischen Volkskörper nun endlich von todesverachtenden und rebellionsgeilen Menschen aus der soziologischen und geographischen Mitte unseres Landes bekämpft wird. Woher unsere diesbezügliche Euphorie rührt ? Von einer nächtliche Autofahrt durch das aus der Ferne noch recht beschaulich anmutenden Dörfchen Kallmerode im erzkatholischen Kreis Eichsfeld in Thüringen...

GANZ GERMANIEN ? NEIN ! EIN VON UNBEUGSAMEN KALLMERODERN BEVÖLKERTES DORF...

Für Ortsunkundige zunächst ein kleiner Aufhänger: Kallmerode ist östlich der Helmstedt-Herleshausen-Linie gelegen und läuft wie alle Gemeinden in den wirtschaftlich abgehängten Zonenrandbezirken Gefahr, sich langsam, aber sukzessive demographisch von der Landkarte wegzuwandeln. Die Anzahl der Gemeindemitglieder übersteigt den dreistelligen Bereich bei weitem nicht und auch internationale IT-Konzerne oder die kriegswichtige Schwerindustrie geizen hier mit der Eröffnung von Lohn und Brot schaffenden Filialen. Bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unweit des Heimatortes hilft deshalb wohl nur noch das stramme Stoßgebet gen Himmel. Und genau auf diesem Gebiet belegt folgerichtiger Weise die Schicksalsgemeinschaft Eichsfeld einen Spitzenplatz: Google-Recherchen ergaben, dass besagter Kreis im Jahre des Herrn 2012 bei den Landratswahlen den vatikankonformen CDU-Kandidaten Werner Henning mit 70,3 Prozent im Amt bestätigte. Im Prinzip haben sich die politischen Verhältnisse hier nach der Wende kaum verändert, lediglich die Staatspartei wurde ausgetauscht. 

Also alles in Butter, möchte man meinen. Alles geht seit der Ankunft Jesu seinen gewohnten Gang, der Hirte des Herrn schwingt den Stab und seine Schäfchen folgen brav. Doch weit gefehlt: Im kreisangehörigen Örtchen Kallmerode scheint die Dorfseele momentan eine Frontstellung gegen die Obrigkeit aufzustellen, wie die mannigfaltige Beschilderung der kurzen Hauptstraße deutlich macht:


Wenn das die Führerin wüsste...


Okay, der Einwand ist berechtigt: Ganze sieben Plakate gegen irgendeinen Scheiß wären beispielsweise in Berlin sicherlich nichts ungewöhnliches, ja eigentlich etwas alltägliches. Allerdings wird Kallmerode aktuell lediglich von 628 Gestalten populiert und der durch das Dorf führende, architektonisch an den nie stattgefundenen Einmarsch der Russen erinnernde Prachtboulevard misst keine 800 Meter. Eine spätere Bestandsaufnahme aller an der Hauptstraße dieses biederen Behausungskonglomerat aufgestellter Aushänge ergab aber die gar magische Zahl von 25 Groß-Plakaten ähnlich süffisanter Schreibe. Rechnen wir also mal: Statistisch gesehen schreit einen in Kallmerode alle 32 Meter eine großzügig bemessene Bekanntmachung zu den aktuellen Verhältnisse an. Viel mehr Festschmuck dürfte wohl selbst der ostmärkische Regierungschef seiner Hauptstadt nach dem Sieg über Frankreich nicht verordnet haben. Aber wo wir gerade bei Berlin sind: Wer dort ein ähnliches Verhältnis von Plakaten zu Einwohnern erreichen wollte, müsste zwischen Spandau und Köpenick 140.000 mal den Vorrichtungsdraht um die Laterne werfen. Dazu dürften bei allem Furor auch Thierse und Konsorten mit ihrer Anti-Schwaben-Kampagne die Ausdauer fehlen...

Aber zurück zum Ausgangspunkt der Geschichte: Eine latente Antipathie gegen die im Kreise herrschenden Christdemokraten sei ob des oben engezeigten Bildmaterials problemlos verifiziert, doch treibt einen weiter die Neugier: Was ist der tiefere Grund für den bleiernd auf dem Kallmeroder liegenden Verdruss, dass er seine primäre Asphaltpiste derart ungehalten zutapeziert ? Fahren wir also zur vertieften Recherche weiter durch den Weiler:

Ja was denn nun ? Kant oder Rom ?

Nun gut, ob der Mensch als solcher für sein eigenes Schicksal selbst verantwortlich ist, oder dabei von Gott gelenkt wird, darüber scheint sich der kallmeroder Chaos-Mob noch nicht ganz im Klaren zu sein. Aber unabhängig davon, ob man vor Ort das offensichtlich aufziehende Bedrohungsszenario nun aufklärerisch-profan oder katholisch-esoterisch deutet, stellt sich dem außenstehenden Touristen bei Durchfahrt die Frage: Was genau soll in der thüringischen Provinz nun eigentlich gebaut werden ? Plant Landrat Henning in der umliegenden Forstung ein Zwangsarbeiterlager für exzessive Konsumenten von Rostbratwurst und Thüringer Klößen ? Soll der Dorfplatz als freiliegende Endlagerstätte für den Atomschrott aus Gorleben umfunktioniert werden ? Oder steht gar der Bau einer Moschee auf der politischen Agenda ? Fahren wir zur Klärung dieser brennenden Frage noch ein wenig durch die spärlichen Häuserzeile, gibt uns der nächste Anschlag einen ersten Indiz:



Erstmal Aufatmen beim strikten Opponenten des mohammedanischen Glaubensbekenntnisses: Die Errichtung einer islamische Gebetshütte steht offensichtlich in Kallmerode nicht auf dem dörflichen Bebauungsplan. Beim Erhaschen des Wortes "Schweinegrippe" schoß einem natürlich direkt die naheliegende Möglichkeit durch den Kopf, dass eine Gruppe radikaler Wahhabiten diese tückische Form der Influenza eiskalt ausnutzen könnte, um nach der Dahinraffung der örtlichen Mastfarmen-Bestände mittels einer mit 20 Minaretten bestückten Allah-Architektur ganz helal ins Paarhufer-Vakuum zu stoßen. Doch das anschließende interrogative Satzzeichen und die folgende, ausrufezeichen-verstärkte Negation stutzen unseren Puls wieder auf Normalmaß runter. Aber dann: "Verkehrspest" ? Haben wir es bei den vorliegenden Zeilen mit einem prosaischen Sputum zu tun, dass die rußverschmierten Atemwege einer kallmeroder Bürgerwehr bei der Auflehnung gegen den örtlichen Trabant-Händler auf das Transparent rotzten ??? Fragen über Fragen...





Beim betrachten des nächsten Plakates reiben wir uns verwundert die Augen und hauen zwei, dreimal irritert auf das Gehäuse des Navis: Offensichtlich befinden wir uns doch nicht mehr wie geglaubt in der thüringischen Peripherie, sondern haben durch das Nehmen einer unbedachten Ausfahrt irgendwo hinter Karl-Marx-Stadt den heimatlichen Kontinent unbemerkt verlassen... Aber der Hinweis "Frau Bundeskanzlerin" lässt den Schluß zu, dass unsere Reifen noch über germanisches Hoheitsgebiet rollen. Sollten wir tatsächlich durch ein Raum-Zeit-Fenster nach Deutsch-SüdWest teleportiert worden sein ? Sei es drum: Der nächste Hinweis des Plakates besagt, dass wohl eine fehlende Ortsumgehung der Stein des Anstoßes ist. Welch selbstloser Ansatz: Bei näherer Betrachtung ist Kallmerode so schön und reizvoll wie beispielsweise Berchtesgarden eben nicht und das ganze Dorf scheint dafür zu plakatieren, dass der interzonale Fernverkehr zukünftig auf diesen fragwürdigen Anblick verzichten kann.


Ein kurzer Lupfer auf dem Gaspedal später ist mit dem nächsten Aggro-Aushang nun endgültig klar: In Kallmerode liegt irgendetwas verkehrstechnisch ziemlich im Argen. Mit Verwendung dieses zumeist Berthold Brecht untergeschobenen Zitates macht der vermutlich optisch hosenträger-verstärkte Aufsteller unmissverständlich klar: Entweder trassiert Kreismeister Henning höchstpersönlich binnen Wochenfrist eine großzügig ausholende, achtspurige Schwenkung um das Widerstandsnest herum, welche von einer Hundertschaft HochTief-Elite-Asphalt-Gorillas zeitnah im Vorschlaghammer-Stakkato realisiert wird, oder der nächste CDU-Wahlkampfstand wird wie eine Horde Inder aus dem Dorf gemügelt !!! Das versprachen sich alle Ortsansässigen in einer vollmondlichen Feierstunde mit vorgeschaltetem Fackelmarsch auf dem Marktplatz beim legendären "Schwur von Kallmerode".




Zehn Meter weiter geht es inhaltlich nun endgültig in die Crunch-Time: Der Kallmeroder ist in erster Linie nicht um die langfristige Munterkeit seines feinstaubbelasteten Bronchialsystems besorgt, sondern befürchtet vielmehr die postwendende Abberufung seiner nackten Existenz. Wem die Bodenständigkeit kleiner katholischer Kommunen vertraut ist, der weiß nur zu gut: Wir haben es bei den Begrifflichkeiten "Menschenleben" und "verrecken" nicht mit einer zwanghaft skandalschürenden Emotionalisierung zu tun, die sich ein wenig im Ton vergreift. Nein, Volksmund tut Wahrheit kund !!! Hunderte Wessi-Vehikel mit als Stern getarntem Fadenkreuz auf der Motorhaube biegen tagtäglich in die friedliebende Ortschaft ein und machen diabolisch grinsend Jagd auf alle Eingeborenen. Gestaffelt nach einem strengen Punktesystem verteilen die unbekannten Auto-Invasoren Meriten für das einfache Niederstrecken eines Kallmerodes per Kühlergrill (1 Punkt), motorisch komplex eingedrehte Toeloop-Pirouetten nach dumpf klingenden Kontakt zwischen Beckenknochen und Seitenkarosserie (6 Komma 0 Punkte), sowie eine fünfmalige, zeitlich im nanosekunden-Bereich aneinandergereihte Kopf-Crash-Combo durch gefühlvolle ABS-Betätigung kurz nach dem ersten Windschutzscheiben-Aufschlag bei gleichzeitigem Mitschleifen von mindestens zwei weiteren, unter dem Luftleitblech am Radkasten eingeklemmten Dorfinsassen (10 Punkte und eine Bonus-Karaffe 5W40). Wer knapp neben den bei 130 km/h durch die Spielstraße zick-zackenden Benz springen konnte, dem bricht die hämisch aufspringende Beifahrertür alle Beine. Ein unter Wagners Wallkürenritt heranrauschendes Rudel Audi gibt den so getroffenen und im krampfhaften Versuch des Wegrobbens befindlichen Einwohnern dann den Rest: Vorderachse, Hinterachse, Hinterachse, Vorderachse, Vorderachse, Hinterachse. Unnötig zu erwähnen, dass der Quattro-Antrieb des ingolstädter Jagdgeschwaders dabei eine zusätzliche Verhöhnung der Opfer darstellt...




"Unmenschlich und menschenverachtend" ! Der hart arbeitende und immer pünktlich seine Steuern zahlende Kallmeroder wird von seinen Volksver(t)rätern mutwillig auf eine Stufe gestellt mit einer Horde paddelnder Bantu-Negern im Einbaum Richtung Lampedusa, die auf die Torpedokreuzer-Flottille der Frontex zusteuert. Wo bleibt hier bei der Bemessung der humanen Wertigkeit des Thüringer Bauerns das zivilisatorische Fingerspitzengefühl seitens der Politik ? Und während der attische Olivenhainzüchter gar nicht mehr weiß, in welche Körperöffnung er sich die ganzen teutonischen Geldsäcke eigentlich noch stecken soll, tuckert die nimmer enden wollende Kolonne der achtachsigen Roadtrains bei ihrer Fahrt von Horizont zu Horizont durch die Eichsfelder Pampa.

Weitere Plakate fliegen an uns vorbei:







Langsam aber sicher drängt sich einem die Frage aller Fragen auf: Wer sind eigentlich die Schuldigen für dieses historisch einmalige Verbrechen und all die täglichen Verkehrs-Pogrome ? Die etwas kryptische Antwort folgt auf den letzten Metern vor dem Ortsausgangsschild (bzw. auf den ersten Metern nach dem Ortseingangschild): 



Auf wen sich der Zeigefinger dieser anklagenden Reklametafel richtet, ist für den Fachmann unschwer zu erkennen: Raubritter also trachten nach dem Inhalt des spärlichen kallmeroder Dorfsäckels. Eine subtile Anklage an die monetäre Gier einer abstrakt und metaphorisch gehaltenen Personengruppe in farblich auffällig gelber Unterlegung. Ein nicht beabsichtigter Zufall, oder winkt hier etwa der ein oder andere Zaunpfahl in Richtung der Anhänger des alten Testaments??? Landrat Henning als Büttel Judäas, der in Worbis zum ersten Spatenstich einer Groß-Synagoge ansetzt ? Aber hören wir lieber auf mit den konstruierten Verschwörungstheorien, sonst müssen wir beim nächsten Besuch im Dorf noch kahlgeschoren mit einer Zahnbürste den Bordstein fegen...


Abschließend sei gesagt: Wir stellen uns demonstrativ hinter die laut Homepage vier Mitglieder (siehe Link) der Bürgerinitiative Kallmerode !!! Nieder mit dem verbrecherischem Verkehrs-Regime des Herrn Ramsauer und der ihm zur Seite stehenden Schreibtischtäter ! Ortsumgehung sofort ! Und direkt daneben eine großzügige Lärmschutzwand, damit niemand im vorbeirauschenden Schwerlastverkehr das Geheule aus dem Dorf hören muss !!!

Und beim nächsten Mal üben wir dann alle zusammen, wie man ein eigentlich berechtigtes Anliegen medial schmerzfrei transportiert...

Samstag, 23. März 2013

Zur Jack-Wolfskinisierung des Pädagogischen Betriebes


Lehrer (m/w/-) der alten Schule
(Bei der Verabschiedung)
Welch kulturell edelmütige Zeiten, als all diese aufrechten Deutsch-, Mathe-, oder Geschichtslehrer (m/w/-) ihren miefigen grün-grau-schwarzen Strickpullover mit Karomuster und braunen Ellenbogenpolster über die Flure der Bildungsinstitutionen trugen. Gut, man frug sich bei näherer Betrachtung des verbeamteten Schulmeisters, ob die eigenen Augen gerade ironische Signale ins Gehirn kabeln oder die in den mannigfaltigen Abstufungen von Herbst- und Unscheinbarkeits-Koloriten gehaltenen Bekleidungsfarben wirklich so gemeint waren wie sie sich gerade darstellten. Aber uniform war dieser Dresscode nur an der Oberfläche: Wolle war ebenso geboten wie der Einsatz eines Musters mit vier Winkeln und dazu eine Farbe, die vom Erscheinungsbild her in irgendeinen Zusammenhang mit einer Darmentleerung zu bringen war. Innerhalb dieser Grenzen entwickelten die Lehrer (m/w/-) aber die verrücktesten Individualitäten: Anthrazit-graue Rauten mit rußschwarzen Linien, orangebraun bis ins schiefergrau übergehende Schachbretter mit olivgrünem Rand, gelbbraune Rechtecke oder bei einem modischen Ausbruchsversuch mit krawalligem Unterton auch gerne mal eine Reihe gleichschenkliger Trapeze, welche in ocker gehalten waren.

Dabei war auch stets klar: Diese Garderobe kaufte der Oberstudienrat (m/w/-) nicht bei H&M von der Stange, sondern lies sie sich immer individuell von Mutti, Oma oder einer Horde Dritte-Welt-Kinder aus Obervolta arbeitsteilig zusammenhäkeln. Und diese zwar deutlich abgrenzende, aber irgendwie auch den pädagogischen Arm um einen legende Optik kongruierte in beeindruckender Weise mit dem Arsenal an Meerschaumpfeiffen, auf denen der Philosophie-Lehrer (m/w/-) abwägend herumkaute, während er mit ausuferndem Wortschwall Vorsokratik, Sophisten oder Epikur und Konsorten plastisch ins Klassenzimmer holte. Antike Denkmodelle und der Modegeschmack des Paukers: Eine beklatschenswerte, weil lebhafte Verbindung zweier völlig toter Gegenstände !!! Vorbei sind nun aber die Zeiten des gerade erwähnten Strickpullis, der als textile Alma Mater den Schülern (m/w/-) anzeigte, dass hier ein Mann (m/w/-) den Raum betrat, der zwar so aussah wie er roch, aber einen mit seiner Weisheit zu füttern vermochte...
Lehrer  (m/w/-) heute (von links nach rechts): Deutsch, Philo, Musik, Französisch, Erdkunde, Bastel-AG

Aber dann: Der Aufmarsch der Tatzen-Fratzen
Jack Wolfskin-Jacken, Jack Wolfskin-Rucksäcke, Jack Wolfskin-Active-Trail-Schuhe, Jack Wolfskin-Paw-Laces, Jack Wolfskin-Softshells, Jack Wolfskin-Fleece-Fummel !!! Egal an welchem Gymnasium, an welcher Real- Haupt- Sonder- oder Walldorfschule. Wie weiland Christo und Frau den Reichstag mit aluminiumbedampften Polypropylengewebe luftdicht verpackten, scheint sich nun seit wenigen Jahren eine einzige große Jack Wolfskin-Plane über die bundesdeutschen Lehranstalten zu ziehen.
Es wäre zu verschmerzen, würden diese ästhetisch belanglos bis fragwürdig-verstörenden Schneidereien am Leib der höheren Erzieher (m/w/-) zu Beginn eines jeden Schultages vom Schul-Pförtner (m/w/-) an die langsam eintrudelnden Lehrer verteilt und nach der 6. Stunde bei Verlassen des Didaktik-Tempels wieder eingesammelt. Doch nein, auch in Supermärkten, Möbelhäusern, auf öffentlichen Plätzen, in der Warteschlange der Marienkäferbahn im Phantasialand, in der Kirche/Moschee/Synagoge/McDonalds, in ehrwürdigen Amtsstuben, auf Aussichtsplattformen, Waschsalons, Ostermärschen, Queer-Rastplätzen und sonst auch überall. In seiner schlimmsten Ausprägung auch noch Jack Wolfskin-Lehrermutter, Jack Wolfskin-Lehrervater und Jack Wolfskin-Lehrerkind im gleichen Jack-Wolfskin-Gewand von der Sohle bis zum Scheitel. Verkauft von Jack Wolfskin-Geschäften, die architektonisch konzipiert sind wie Jack Wolfskin-Mützen und bereitwillig gegen eine horrende Gebühr in Form vom Jack Wolfskin-Einheitslistenpreis allen Jack Wolfskin-Pädagogen dieser Republik die aktive modische Sterbehilfe gewähren.
Lehrer  (m/w/-) heute (von links nach rechts): Kath. Religion, Islamkunde, DaZ, Geschichte, Textil (höhö), Sport

Geheimer Lehrplan Punkt 1 = Erwerb eines Jack Wolfskin-Kleidungsstückes
Irgendetwas muss innerhalb eines kurzen Zeitraumes passiert sein, das die pädagogische Welt derart aus den Angeln gehoben werden konnte: Während sich die Lebenswelt der Schüler und Innen immer weiter individualisiert und immer unübersichtlicher wird, sich tausend Möglichkeiten auf allen Ebenen für die Absolventen unserer Schulen ergeben und der Begriff "Pluralität" zwanghaft in jeden bescheuerten Pädagogensatz reingefurzt wird, der mit stumpfen Eisensplittern versehene Rohrstock abgeschafft wurde und im Rahmen der selbsternannten "gerechten, menschlichen Schule" eine zusätzliche Matheaufgabe die aktuelle Höchststrafe für das planmäßige Abfackeln der Turnhalle darstellt, sowie in drei Fächern parallel "Hitler, Hitler, Hitler" läuft, wandelt gar zombiehaft die freiwillig gleichgeschaltete Generation an Jack Wolfskin-Lehrern im uniformierten Einheitsbrei über den Pausenhof und durch die Aula wie seinerzeit die Fähnriche an den kaiserlichen Kadettenanstalten. Für die Sicherstellung dieses Zustandes sorgt fortwährend die jeweils schuleigene "Gleichstellungsbeauftragte" (w/-), deren Kernkompetenz sich in den letzten 2,3 Jahren vom eigentlich Aufgabengebiet des fairen Verhältnisses zwischen Mann, Frau und inbetween in Richtung textiler Sektor entfernt zu haben scheint...
Abweichungen scheinen dabei nur erlaubt wenn der Jack Wolfskin-Jungdozent frisch von der Uni kommt (und dann sich jack wolfskin-alternativ in gelbe "The North Face"-Artikel wickelt) oder der bereits arrivierte Jack Wolfskin-Lehrmeister noch auf den Job des Konrektors schielt (und dann mit schwarzem jack wolfskin-extended "Wellenstyn"-Kittel aufkreuzt). In diesem Ambiente der ästhetischen Langeweile dürfte selbst der gute alte Karo-Lappen des sogar im Vollbart beschuppten Physik-Lehrers für seine Schülerschar (m/w-) als visueller Bonifizierungsfaktor und sexueller Partystarter wirken. Schlimmer noch: Jeder optisch streng nach Klischee ausgerichtete Philatelist sieht beim akkuraten Sortieren seiner Sammlung postalischer Belege erotisch inflammierender aus, als eine Jack Wolfskin-Jacke beim praktisch durchgeführten Sexualkundeunterricht einer Klasse pubertierender Jungeninternatsinsassen (m/w/-).
Lehrer  (m/w/-) heute (von links nach rechts): Ethik, Sowi, Informatik, Chemie, Bio, Latein
Der Lehrkörper will gekleidet sein. Mit einer Jack Wolfskin-Jacke...
War nicht mal die Kleidung des ehrenwerten Lehrers (m/w/-) die Visitenkarte seiner Berufsauffassung ? Ist der Schulerzieher (m/w/-) nicht gerade heutzutage ein Dienstleister mit Publikumsverkehr (womit jetzt nicht die orthodoxe Auslegung dieses Begriffes an der Odenwaldschule gemeint ist). Selbst wenn man den heutigen Jack Wolfskin-Pädagogen (m/w/-) zu Gute halten muss, dass sie den ewigen Grundgedanken des Lehrer-Looks weiter aufrecht erhalten und festhalten am Lehramtsstudiums-Aufnahmekriterium des Nachweises über die komplette Nekrotisierung der Gehirnregion für ästethische Geschmacksbildung: Muss man die Gleichmacherei soweit vorantreiben, dass man sich nicht mehr traut, sich von den Schülern mit sartorialer Schneiderei maßvoll abzusetzen, weil diese sich dann minderwertig und diskriminiert fühlen könnten ? Muss man wirklich im Heer der baggy- und Ed Hardy-Shirt tragenden Kinderschar einfach nur anders scheiße als diese aussehen, um bloß keinen Seelenschaden beim Klientel anzurichten ?

Quousque tandem abutere, Jack Wolfskin, patientia nostra ?
Vergegenwärtigt man sich diesen aktuellen katastrophalen Zustand der teutonischen Lehrkräfte, drängen sich einem die folgenden Fragen in Richtung der kleidungs-technischen Hypokraten auf:
1.) In was für einer Welt leben wir eigentlich, in der ausgerechnet eine Jack Wolfskin-Jacke der textilgewordene Beweis für den erfolgreichen Abschluss des zweiten Staatsexamens für Lehrämter geworden ist ??? In der Jack Wolfskin-Lehrer (m/w/-) ihren ADIDAS/NIKE/CARHARRT-Edukanden baldrianöse Vorträge darüber halten, wie dämlich und ausgrenzend der Markenwahn ist. Müsste genau an diesem Punkt nicht jeder Schüler (m/w/-) nachdenklich auf der im Chemie-Unterricht heimlich zusammen gebastelten Zyankali-Kapsel herumkauen ? Dabei allein vom Wunsch beseelt, das die nach morphologischen Erwägungen nicht ganz so vorteilhaft zusammengeschraubte Musik-Lehrerin (meistens m, manchmal aber auch w/-) augenblicklich nackt vor einem erscheine?
2.) Wann marodieren eigentlich die ersten Jack Wolfskin-Lehrer (m/w/-) im Rahmen einer Säuberungsaktion durch alle pädagogischen Fakultäten des Landes, um der immer größer werdenden Heerschar an Jack Wolfskin-Studenten (m/w/-) auf Lehramt ihre Jack Wolfskin-Klamotten vom Leib zu reißen, wie es ein Lametta-behangener Bundeswehr-Stratege (m+) mit einem im Generalfeldmarschall-Gewand gehüllten Gefreiten (-)  tun würde ?
3.) Hat irgendwer dieser Jack Wolfskin-Jugendbildner (m/w/-) mit Messner und dem Yeti Schulter an Schulter und ohne Sauerstoffmaske den Kangchendzönga bestiegen ? Ging der letzte Jack Wolfskin-Kollegiums-Ausflug zum Yak-Schießen nach Bhutan ? Oder ist irgendwer im Jack Wolfskin-Lehrerzimmer am Wochenende nebenberuflich als Waldschrat in Karelien beschäftigt ??? NEIN ??? Diese überteuerten Status-Müllsäcke dienen also tatsächlich nur dazu, sein doppelt mit Sicherheitsschloss angeleintes Rudel Golden Retriever und Zwergpinscher durch den 5 Quadratmeter großen Garten des Jack Wolfskin-Reihenhauses zu jagen ? Haben Jack Wolfskin-Lehrer (m/w/-) auch schon mal lauthals gelacht, als ein Großstädter seinen mehr als Dolly Buster in all ihren Baller-Streifen schluckenden SUV durch die engen Häuserschluchten seines Blocks manövrierte ? Wieso ???

Lehrer  (m/w/-) heute (von links nach rechts): Eurythmie, Kunst, Pädagogik, Politik, Mofa-AG, Kleidungssemiotik (???)
4.) Wieso folgen diese zumeist verbeamteten und staatlicherseits durch alle finanziellen Sicherheiten, mit Hosenklammer und hunderten Katzenaugen beim Fahrradfahren ausgestatteten Indiana-Jones-Figuranten ausgerechnet dem Kaufaufruf einer Firma, die in ihrer Werbung mit tollkühnen Dingen wie Abenteuer, Nervenkitzel und Wagnis kokettiert ??? Suchen Jack Wolfskin-Lehrer (m/w/-) nicht auch immer kopfschüttelnd nach der inhaltlichen Stringenz, wenn diese klischeehaften Leiharbeiter mit Alkohol- und Fettleibigkeitsproblem auf ihrem Facebook-Profil in der Rubrik "Lieblingszitat" ausgerechnet den Spruch bringen "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum" ??? Wieso ???
5.) Ist die Wolfskin-Lehrer-Fraktion (m/w/-) somit kleidungstechnisch wie inhaltlich nicht ebenso glaubwürdig wie diese schmierigen Rock´n´Roll-Lebensversicherungsvertreter (m), die einem auch noch eine Assekuranz gegen den Moosbefall am Jägerzaun auflabern und dann bei der Unterschrift sich mit dem Headbangen und "richtig mal die Sau raus lassen" beim letzten Konzert der lokalen Wolle-Petri-Coverband brüsten ???
6.) Gibt es irgendein kollektiv geteiltes Familientrauma innerhalb des Lehrpersonals (m/w/-), bei dem der geliebte Opi beim ersten Schneefall 41 im Wehrmachts-Blazer kurz vor Moskau auf der Hauptkampflinie festgefroren ist, oder was veranlasst die Jack Wolfskin-Pädagogen-Lemminge (m/w/-) dazu, sich in Mitteleuropa zu jeder Tages- und Nachtzeit zu kleiden, als bräche in wenigen Sekunden ein sibirischer Eissturm los ?
7.) Der alte pädagogische Kniff, bei dem der Herr Lehrer (m/w/-) bei einer mal wieder mangels Wissen nicht beantwortbaren Frage des Klassenstrebers (m/w/-) einfach seine Sehhilfe raus holt und mit in Falten gelegter Stirn am Brillenbügel lutscht, diese Handlung bis zum Pausengong streckt und sich dann mit ausgestreckten Armen, freudigem Gesicht und dem Ausruf "keine Hausaufgaben heute" unter Jubelstürmen der Schüler (m/w/-) über die Zeit rettet... ja den praktizieren die Jack Wolfskin-Lehrer (m/w/-) auch immer noch. Doch sieht dieser Akt in einem Jack Wolfskin-Pullover nicht mehr wie früher nach ehrwürdiger, anstrengender und alle Unwägbarkeiten einkalkulierender Kopfarbeit aus, sondern wirkt genauso bescheuert wie er eigentlich auch ist...nä ?

8.) Was wird heutzutage eigentlich noch im Fach Textil gelehrt ? Darf angenommen werden, dass das gesamte Curriculum sich hier lediglich noch in zwei Bereiche splittet: moderne Textilarbeiten ("Wie kaufe ich eine Jack Wolfskin-Jacke") und historische ("Wir basteln einen Strickpullover aus dem dunklen Zeitalter") ???
9.) Gibt es denn nicht irgendwo unter uns einen visionären Bildungspolitiker (m!!!), welcher die reinigende Idee auf den Tisch bringt, per Gesetz allen Jack Wolfskin-Lehrern (m/w/-) unseres Landes die autonome Bekleidungsbefugnis zu entziehen ???
10.) Wieso labern einen Deutschlehrer (m/w/-) bei subtil vorgetragener Stilkritik an ihrer Jack Wolfskin-Jacke auch noch damit voll, das bei ihnen Funktionalität groß geschrieben werde ? FUNKTIONALITÄT IST EIN SUBSTANTIV ! DA IST DER (m), DIE (w) ODER DAS (-) DAVOR. UND WIRD EIN ARTIKEL-BEFEUERTES SUBSTANTIV NICHT IMMER GROß GESCHRIEBEN, IHR ARSCHLÖCHER ???
Aber was reg ich mich auf ? Das Zeitalter der Jack Wolfskin-Schule ist angebrochen und es wird unumkehrbar sein !!! Denn: Ein tropischer Sommer mit sengender Sonne wird über uns hereinbrechen und all die offensichtlich nicht ausziehbaren Wolfskin-Jacken der Jack Wolfskin-Lehrer (m/w/-) an ihren Jack Wolfskin-Körpern festbrennen und für ein lebenslanges Jack Wolfskin-Branding sorgen. Mit diesem Schulter- oder Brustmuster können sie sich dann endlich zum ersten Mal bei ihren Radtouren an der Mecklenburgischen Seenplatte frei von allen meteorologischen Sorgen an den FKK-Strand legen und ihre für den Dünenspaziergang gekauften Jack Wolfskin-Bergsteigerboots ganz keck und fast schon halsbrecherisch ein, vielleicht auch zwei Meter neben ihre Elektrosmog abweisende Jack Wolfskin-Strandmatte legen...

Lehrer  (m/w/-) heute (von links nach rechts): Schulteich-AG, Gleichstellungsbeauftragte, Facility-Manager, Putzfrau, Referendar, Praktikant


Samstag, 23. Februar 2013

Liebes Gericht in Pretoria...

...wenn der unter Mordverdacht stehende Oscar Pistorius bei entsprechender Kautionsleistung auf "freien Fuß" gesetzt werden kann, weil angeblich "keine Fluchtgefahr" bestünde, bedrängen einen dann nicht genau zwei Fragen:


1.) Mussten die diesbezüglichen Entscheidungsträger bei der Verkündung dieser Causa nicht ein wenig über ihren eigenen Zynismus schmunzeln ???


2.) Hat der liebevoll "Blade Runner" genannte Paralympics-Star neben den ca. 85.000 Euro auch alle Körperteile abwärts der Kniescheibe beim zuständigen Richter als Pfand zu hinterlegen ???

Montag, 7. Januar 2013

Sport aktuell, Teil 2

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Zlatan schießt nicht am Tor vorbei, 

Zlatan begnadigt den Keeper !!!



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